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The Listener

Blog für klassische Musik und mehr! ...seit 2003

J. Cage – one7 / four6
Sabine Liebner (Klavier)

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John Cage – one7 / four6

Die Wiederentdeckung der Stille

von Rainer Aschemeier  •  8. Oktober 2014
Katalog-Nr. WER 6797 2 / EAN: 4010228679724

Sabine Liebner hat – so möchte man meinen – auf diesem Album nicht viel zu tun. Von den exakt 60 Minuten Spielzeit dieser CD bestehen schließlich mindestens die Hälfte aus kompletter Stille. Die feinnervigen Dynamikkontraste, die Sorgsamkeit und der Einfallsreichtum in Dingen der Klangerzeugung sind jedoch der Punkt, worin sich Liebner einmal mehr himmelweit von ihren Interpretenkollegen abhebt.

E. Carter - Streichquartette Nr. 1-5
Juilliard String Quartet

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Elliott Carter - Streichquartette Nr. 1-5

Nun ebenfalls "komplett": Die etablierte Gesamtaufnahme des Juilliard Quartets, nun auch mit dem fünften Streichquartett

von Rainer Aschemeier  •  4. April 2014
Katalog-Nr.: 88843033832 / EAN: 888430338326

Sony Classical hat sich für den konsequenten Weg entschieden, und hat nun auch das fünfte Streichquartett vom Juilliard String Quartet einspielen lassen, sodass mit dieser neuen Edition eine Art von „aktualisierter“ Gesamteinspielung vorliegt: Vier Quartette sind (in sehr sehr gutem Sound) 1990 und 1991 eingespielt worden, und das fünfte in einem noch etwas natürlicheren und transparenteren Klangbild im April 2013. Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass dies nun nicht die erste „komplette“ Gesamtaufnahme der Carter-Streichquartette ist, denn das hatte zuvor schon das umtriebige Naxos-Label erledigt.

G. Gershwin - Porgy and Bess
San Francisco Opera - J. DeMain; E. Owens, L. Mitchell u.a.

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George Gershwin - Porgy and Bess

Augen auf, Ohren zu! Porgy and Bess aus San Francisco - ein Drama der besonderen Art

von Rainer Aschemeier  •  27. März 2014
Katalog-Nr.: 2059634 / EAN: 880242596345

Warum hat der Kunde diese Blu-ray erworben und nicht irgendeinen Südstaatenspielfilm? Richtig, wegen der Musik.
Während es an der, zwar etwas routinierten, Interpretation des Orchesters der San Francisco Opera unter Leitung John DeMains weiter nichts zu meckern gibt, ist der Aufnahmeklang, der aus den heimischen Lautsprechern kullert kurz und knapp gesagt eine Katastrophe. Folgendes ist passiert: ...

P. Glass, John Rutter, Jean Françaix - Cembalokonzerte
West Side Chamber Orchestra - K. Mallon, Ch. D. Lewis (Cembalo)

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Philip Glass, John Rutter, Jean Françaix - Cembalokonzerte

Begeisterndes Debüt-Album des West Side Chamber Orchestra

von Rainer Aschemeier  •  27. September 2013
Katalog-Nr.: 8.573146 / EAN: 747313314676

Dass ein Schüler von John Eliot Gardiner, der durch hervorragende Interpretationen der Sinfonien des Wiener Klassikers Johann Baptist Vanhal irgendwann nun Cembalokonzerte auf einem neuen CD-Album vorlegt, ist erstmal nichts besonderes. Dass es sich dabei allerdings um Cembalokonzerte aus dem 20. Jahrhundert handelt, ist schon ein „Hingucker“.
Zwar weiß jeder, der sich auch nur ein wenig für die Musik des 20. Jahrhunderts interessiert, dass das Cembalo vor allem bei den Neoklassizisten der 1920er- und ‚30er-Jahre eine Renaissance erlebte, mit dem vielleicht herausragenden Werk „Concert champêtre“ aus der Feder Francis Poulencs. Doch es ist schon erstaunlich, dass auch aus späteren Jahrzehnten noch Cembalokonzerte vorliegen.

Die besondere CD: Arthur Foote - Complete Piano Music

Absolut herausragende, überraschende Entdeckung!

von Rainer Aschemeier  •  23. September 2013

Was wir in Arthur Footes Klavierwerk haben, ist viel mehr als den bloßen Achtungsapplaus wert. Es ist wirklich großartige, äußerst originelle und schöne, handwerklich perfekt gemachte Musik mit großem lyrisch-emotionalen Gehalt und einigem Tiefgang.
Das ist wirklich und wahrhaftig das womöglich Inspirierteste, was ich aus der US-amerikanischen Szene der Spätromantiker aus der Zeit der Jahrhundertwende und danach bislang wahrgenommen habe.
Kisten Johnson sorgt auf dem DELOS-Label für das Klaviermusikereignis im Frühherbst!

E. Bloch - Sinfonie in cis-Moll / "Sea Poems"
London Symphony Orchestra - D. Atlas

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Ernest Bloch - Sinfonie in cis-Moll / "Sea Poems"

Zwei fast unbekannte Hauptwerke Ernest Blochs in Aufnahmen mit dem London Symphony Orchestra

von Rainer Aschemeier  •  10. September 2013
Katalog-Nr.: 8.573241 / EAN: 747313324170

Den schweizerischen Komponisten Ernest Bloch kennt das Konzertpublikum hierzulande vor allem von seinem pathetischen „Cello-Hit“ „Schelomo“, das auf CD-Alben gern mit Max Bruch „Kol Nidrei“ zusammen gekoppelt wird. Das ist musikalische stets eine etwas wilde Mischung, aber eben wegen dieser häufig stattfindenden Kopplung mit Bruch-Musik ist der 1880 geborene Bloch im öffentlichen Bewusstsein als „Romantiker“ abgestempelt.
Dabei vergisst man allzu leicht, wie modern und zeitgenössisch Bloch nach seiner Exilation in die USA komponiert hat. Da kann man ihn durchaus als veritablen Expressionisten bezeichnen.

Kulturförderung mit Weitblick

Eine neue CD von Jennifer Higdon gibt uns Gelegenheit, die "Atlanta School of Composers" vorzustellen

von Rainer Aschemeier  •  9. August 2013

Sie gehört wohl zum Spannendsten, was auf im derzeitigen Musikleben so passiert: die Atlanta School of Composers. Und sie ist ein Musterbeispiel dafür, wie Kulturförderung gemacht werden sollte: mit Weitblick!

E. Zeisl - "Kleine Sinfonie", "November", "Concerto Grosso"
UCLA Philharmonia - N. Stulberg; A. Lysy (Cello)

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Erich Zeisl - "Kleine Sinfonie", "November", "Concerto Grosso"

Weltersteinspielung der Orchestermusik des Exil-Österreichers Erich Zeisl

von Rainer Aschemeier  •  7. August 2013
Katalog-Nr.: 96820 / EAN: 887516968204

„Yarlung Records“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, wie sie in den USA vor allem das (inzwischen ebenfalls in Würde verblichene) Label „Telarc“ geschlagen hatte: HiFi-Aufnahmen amerikanischer Orchester/Künstler mit internationalem Repertoire. In dieser Tradition führt man bei Yarlung auch die gängige Praxis der Labels weiter, die sich klanglich für etwas Besseres halten: Man zählt im Booklet die verwendeten Mikrofone einzeln auf, man berichtet dem Endkunden stolz von einer speziellen CD-Beschichtung, die eine bessere Klangwiedergabe ermöglichen soll und man schreibt auf das CD-Cover stolz den Slogan „Breaking the Sound Barrier“ drauf.

L. Godowsky - Klaviermusik Vol. 11
Konstantin Scherbakov (Klavier)

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Leopold Godowsky - Klaviermusik Vol. 11

von Rainer Aschemeier  •  3. Juli 2013
Katalog-Nr.: 8.225350 / EAN: 636943535028

Schon seit Jahren betreiben sowohl das Naxos-“Entdeckerlabel“ „Marco Polo“ als auch der Pianist Konstantin Scherbakov beharrliche Fleißarbeit und legen die Klaviermusik Leopold Godowskys in einer engagierten Gesamteinspielung vor. Nachdem die letzte CD in der Reihe anno 2010 das Licht der Welt erblickte, hatte man schon fast vermutet, dass es das nun gewesen wäre. Doch so kann man sich irren: Plötzlich steht der elfte Teil der Reihe in den Startlöchern, und natürlich sitzt auch hier wieder der grandiose Konstantin Scherbakov am Klavier.

"Delights & Dances"
Chicago Sinfonietta, Harlem Quartet - Mei-Ann Chen

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"Delights & Dances"

Konzerte für Streichquartett und Orchester

von Rainer Aschemeier  •  21. Juni 2013
Katalog-Nr.: CDR 90000 141 / EAN: 735131914123

„Delights & Dances“ – was mag sich dahinter verbergen. Dazu noch das merkwürdige Retro-Cover…
...könnte alles Mögliche sein.

So oder so ähnlich waren meine ersten Gedanken, als ich diese neue CD der Chicago Sinfonietta und des Harlem Quartet in Händen hielt. Ein erklärender (und in meinen Augen besserer) CD-Titel hätte lauten können: Konzerte für Streichquartett und Orchester. Denn genau darum geht es bei den hier versammelten vier Stücken.

A. Copland - Rodeo / Dance Panels / El Salón México / Danzón Cubano
Detroit Symphony Orchestra - L. Slatkin

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Aaron Copland - Rodeo / Dance Panels / El Salón México / Danzón Cubano

spitzenmäßig gespielter, aber schwerfälliger Copland aus Detroit

von Rainer Aschemeier  •  9. Juni 2013
Katalog-Nr.: 8.559758 / EAN: 636943975824

Nun gibt sich auf einer neuen Naxos-CD sogar ein Orchester aus der renommierten Liga der „Big Five“ der US-amerikanischen Symphonieorchester die Ehre, nämlich das Detroit Symphony Orchestra. Es agiert hier unter der Leitung Leonard Slatkins, der dem Orchester – neben seinem Chefdirigentenposten in Lyon – zurzeit als Generalmusikdirektor vorsteht.
Wir erinnern uns: Slatkin war eigentlich immer dann am besten, wenn der US-Orchester dirigieren konnte. Seine Zeit als Chefdirigent des St. Louis Symphony Orchestra etwa ist unvergesslich und mit hervorragenden Aufnahmen beim Telarc-Label eindrucksvoll dokumentiert.

G. Gershwin - Rhapsody in Blue, Strike Up The Band, Catfish Row, Promenade
Buffalo Philharmonic Orchestra - J. Falletta; O. Weiss (Klavier)

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George Gershwin - Rhapsody in Blue, Strike Up The Band, Catfish Row, Promenade

von Rainer Aschemeier  •  5. Juni 2013

Wer Gershwin hört, denkt natürlich sofort an die „Rhapsody in Blue“. Dabei ist weithin wenig bekannt, dass das Stück von Gershwin einst für eine kleine Besetzung komponiert wurde, während das Stück, das heute allerorten von den Symphonieorchestern gegeben wird, eigentlich ein Arrangement von Ferde Grofé ist – also von jenem amerikanischen „Impressionisten“, der mit seinen Suiten, die jeweils amerikanischen Großregionen und/oder Naturmonumenten gewidmet sind, zu denjenigen gehörten, die wussten, wie man durch gekonnte Orchestrierung Eindruck schindet.

M. Lindberg - EXPO, Klavierkonzert Nr. 2, Al largo
New York Philharmonic Orchestra - A. Gilbert

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Magnus Lindberg - EXPO, Klavierkonzert Nr. 2, Al largo

CD gewordenes Orchesterspektakel der Sorte "Over the Top"

von Rainer Aschemeier  •  6. Mai 2013
Katalog-Nr.: 8.226076 / EAN: 636943607626

Wow, was pustet denn hier durch die Boxen? Die neue CD des dänischen Labels da capo zeigt, wie viel Erfolg dänische Komponisten in den USA haben können am Paradebeispiel Magnus Lindberg, der zum „composer in residence“ des New York Philharmonic Orchestra aufgestiegen ist.
Kein Wunder, dass die Amerikaner Lindberg in ihr Herz geschlossen haben. Nicht nur heißt er so ähnlich wie einer ihrer größten Helden, die Fliegerlegende Charles Lindbergh, sondern auch seine Musik klingt mehr amerikanisch als skandinavisch.

American Anthem
Ying Quartet & A. Neiman (Klavier), R. Scarlata (Bariton)

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"American Anthem"

Musik von Barber, Hanson und Thompson

von Rainer Aschemeier  •  20. April 2013
Katalog-Nr.: DSL-92166 / EAN: 053479216625

Unvoreingenommen betrachtet, und einmal jegliches „Konzept“ außen vor lassend, haben wir hier schlicht und erfreifend eine hervorragende CD (übrigens mit „gratis“ beigelegter Bluray-Audio für die Sourround und HD-Audio-Fans) mit amerikanischer Musik für Streichquartett.
Mit Samuel Barbers Streichquartett Op. 11 ist dabei das sicherlich prominenteste Beispiel eines US-amerikanischen Streichquartetts hier vertreten. Sein zweiter Satz „Adagio“ wurde später von Samuel Barber zum berühmten „Adagio for Strings“ umgearbeitet und in dieser Fassung zum klassischen „Welthit“.

J. Cage - Electronic Music For Piano
Ciro Langobardi (Klavier) & Agostino Di Scipio (Elektronik)

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John Cage - Electronic Music For Piano

Der bisherige HiFi-Tipp des Jahres, doch mit nur vordergründig beeindruckender Interpretation

von Rainer Aschemeier  •  3. April 2013
Katalog-Nr.: STR33927 / EAN: 8011570339270

Weitaus weniger bekannt ist, dass sich John Cage auch eine elektronisch modifizierte Fassung dieses Klaviermusikzyklus ausgedacht hat. In der Tat besteht die „Komposition“ – sofern man das so nennen kann – lediglich aus einer ziemlich kryptischen und in krakeliger Handschrift auf einen Briefbogen eines schwedischen Hotels gekritzelten Spielanweisung (s. CD-Cover).
Die italienischen Künstler Ciro Longobardi (als Pianist ein Schüler u. a. von Alexander Longquich und Bernhard Wambach, als Kammermusiker Schüler von u. a. Maurice Bourgue) sowie Agostino Di Scipio (ein Künstler aus dem Bereich der elektronischen Neuen Musik) haben nun das Unmögliche versucht: Sie wollten die „Electronic Music For Piano“ tatsächlich in die Realität umsetzen und aufführbar machen.

P. Glass - Metamorphosis / The Hours
Lavinia Meijer (Harfe)

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Philip Glass - Metamorphosis / The Hours / Opening Piece from "Glassworks"

"... a timbre that was absent before."

von Rainer Aschemeier  •  19. November 2012
Katalog-Nr.: CCS SA 33912 / EAN: 723385339120

Was kann man davon halten, wenn die Bearbeitung von Orchesterwerken für Klavier zum Anlass genommen wird, um sie nochmals für Harfe umzuarbeiten? So suspekt das Ganze klingt: In diesem Fall ist das Unternehmen vollauf gelungen!
Mit dieser neuen CD von dem für seine hochklassigen SACD-Produktionen bekannten niederländischen Label Channel Classics liegt eine besonders schöne Novität für alle Fans des musikalischen Minimalisten Philip Glass vor.

Weill - Ibert - Berg
Baton Rouge Symphony Chamber Players - T. Muffitt

Kurt Weill - Jaques Ibert - Alban Berg: Konzerte für Soloinstrument und Bläser aus den 1920er-Jahren

Licht und Schatten in erstaunlicher Diskrepanz

von Rainer Aschemeier  •  12. November 2012
Katalog-Nr.: DSL-92161 / EAN: 053479216120

Eins vorweg: Die Neuerscheinung aus dem Hause Sono Luminus, die ich hier besprechen möchte, ist eine ungewöhnliche CD. Ungewöhnlich deshalb, weil sie einen mindestens so positiven wie negativen Eindruck hinterlässt. Leider steht der negative Eindruck am Beginn…
Erst vor wenigen Tagen konnte ich erfreut eine wahrlich grandiose Neueinspielung von Kurt Weills selten gehörtem Violinkonzert vorstellen, das Naxos in seiner Reihe „Wind Band Classics“ herausgebracht hatte (Besprechung dazu siehe hier). Dass es gegen eine so hervorragende Einspielung jedweder Konkurrent schwer haben würde, war zu erwarten. Dass etwaige Mitbewerber in Sachen Weill-Konzert jedoch so schwachbrüstig ausfallen würden, wie die Aufnahme auf dieser neuen Sono Luminus-CD war doch eine herbe Überraschung.

Nocturnes
Michael Landrum

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Nocturnes

Mit Michael Landrum auf den Spuren des musikalischen Nachtstücks

von Rainer Aschemeier  •  30. Oktober 2012
Katalog-Nr.: DSL-92158 / EAN: 053479215826

In der ominösen Welt der Klavierminiaturen gab und gibt es Mini-Genres, die es quasi nirgendwo anders gibt. Oft existieren sie unter dem Tarnmantel von Tanzbezeichnung wie etwa „Polonaise“ oder „Ecossaise“, usw. Aber es gibt auch die sogenannte „Bagatelle“, die – spätestens seit Beethoven wissen wir’s – oft alles andere als Bagatellcharakter hat und viele weitere, meist ziemlich schwammige Bezeichnungen.
Zu den schwammigsten, aber auch geheimnisumwittertsten zählt das Nocturne – zu deutsch etwa: Nachtstück. Es wurde im 19. Jahrhundert kreiert, und zwar nicht, wie viele denken, von Frédéric Chopin, sondern von niemand Geringerem als dem genialen irischen Komponisten John Field.

pater noster
The King's Singers

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The King's Singers - pater noster

Das Vaterunser im musikalischen Spiegel der Jahrhunderte

von Rainer Aschemeier  •  24. Oktober 2012
Katalog-Nr.: 8.572987 / EAN: 747313298778

Das Vaterunser ist das Gebet der Gebete. Von Jesus Christus selbst soll es laut Bibeltext stammen, und daher ist es jedem Christen auf der Welt bekannt. Es dürfte damit eines der weltweit am meisten verbreiteten Gebete sein, wenn nicht das am meisten verbreitete überhaupt.
Es nimmt daher nicht Wunder, dass sich quer durch die kunstgeschichtlichen Epochen immer wieder Vertonungen des gesamten Gebets oder von einzelnen seiner Textbestandteile ergeben haben. Das reicht von der gregorianischen „Urfassung“, die nur in leichter melodischer Vereinfachung auch heute noch im Gottesdienst gesungen wird, bis hin zu im direkten Vergleich ziemlich aktuellen Fassungen aus dem 20. Jahrhundert.

C. Nancarrow - late and unknown - works on rolls
Ampico Player Piano

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Conlon Nancarrow - late and unknown: works on rolls

Genie oder Scharlatan - ein akustischer Einblick in die durchgeknallte Musikwelt des Conlon Nancarrow

von Rainer Aschemeier  •  22. Oktober 2012
Katalog-Nr.: WER 6754 2 / EAN: 4010228675429

Diese CD zieht einen von Beginn an in ihren Bann: Sie leitet direkt in die auch heute noch ziemlich durchgeknallt wirkende musikalische Welt des Conlon Nancarrow. Heute gilt der einerseits als einer der maßgeblichen Pioniere der globalen Musikmoderne, andererseits aber auch als singulärer Ausnahmefall der Musikgeschichte. War Nancarrow ein Genie, wie György Ligeti meinte? Oder war er, wie die Musikwissenschaft bis in die 1990er-Jahre sich noch ziemlich einig war, ein zwar interessanter, aber im Wesentlichen dilettantischer Komponisten-Scharlatan?

F. Delius - Appalachia / Sea Drift
The Florida Orchestra - S. Sanderling

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Frederick Delius - Appalachia / Sea Drift

mega-unbekannte Delius-Orchesterwerke mit Chor

von Rainer Aschemeier  •  11. Oktober 2012
Katalog-Nr.: 8.572764 / EAN: 747313276479

Frederick Delius ist eine interessante Figur: In Großbritannien wird er – ähnlich wie Edward Elgar – als eine Art musikalischer Nationalheiliger gefeiert, als einer, der die britische Kunstmusik des 19. Jahrhunderts nicht nur maßgeblich mit beeinflusste, sondern vielmehr nachgerade aus der Taufe hob. Hierzulande ist von ihm nicht viel mehr bekannt als seine lautmalerische Komposition „On Hearing the First Cuckoo in Spring“.
Dabei hätten auch wir Grund genug, uns mit Frederick Delius zu beschäftigen. Delius war nämlich nicht nur Sohn deutscher Emigranten und sprach Zeit seines Lebens neben Englisch auch perfekt Deutsch, er war zudem auch als Literaturübersetzer tätig und übersetzte unter anderem eine Biographie eines farbigen US-amerikanischen Ex-Sklaven für den deutschen Buchmarkt.

S. Rachmaninoff - Sinfonie Nr. 2 / L. Bernstein - Candide-Overture
Philharmonia Orchestra / London Symphony Orchestra - E. Swetlanow

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Sergej Rachmaninoff - Sinfonie Nr. 2 / Leonard Berstein - "Candide"-Overture

Swetlanow in London

von Rainer Aschemeier  •  14. September 2012
Katalog-Nr.: ICAC 5078 / EAN: 5060244550780

Keine Frage: Diese CD ist ohne jeden Zweifel eine der aufsehenerregendsten Archiventdeckungen der letzten Jahre. Rachmaninoff-Sammler dürfen sie ebenso wenig verpassen, wie die eingangs erwähnte neue Referenzeinspielung des Royal Philharmonic Orchestra, die im letzten Jahr erschien. Und ja, auch „Neueinsteiger“ in das Werk Rachmaninoffs sind mit dieser CD sehr gut bedient – auch, wenn sie die erwähnten Eigenmächtigkeiten Swetlanows enthält.

E. Bloch - Schelomo, From Jewish Life, Voice in the Wilderness / M. Bruch - Kol Nidrei
BBC Scottish Symphony Orchestra - I. Volkov; N. Clein (Cello)

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Ernst Bloch / Max Bruch - Orchestermusik mit obligatem Violoncello

Bloch und Bruch in selten dagewesener Klangfülle

von Rainer Aschemeier  •  24. August 2012
Katalog-Nr.: CDA67910 / EAN: 034571179100

Auch Cellistin Natalie Clein trägt mit ihrem ungewöhnlich tiefen, sonoren und warmen Celloklang dick auf, indem sie lange Parts ihres Solovortrags in flirrendes Vibrato taucht.
Keine Frage: Auf dieser CD ist Bloch noch durch und durch ein Spätromantiker alter Schule, hier darf er’s sein. Es gibt andere Einspielungen, die Bloch näher an die Expressionisten rücken, mit Vibrato eher geizen, die Ecken und Kanten dieser Musik betonen. Diese Hyperion-CD gehört nicht dazu. Den Exotismus der Musik betonender, grenzenloser Schönklang ist hier das Programm.

"But Not Forgotten" - Musik afro- amerikanischer Komponisten
M. Eley (Klarinette) / L. DeSa (Klavier)

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"But Not Forgotten" - Musik afroamerikanischer Komponisten

Überraschungen am laufenden Band

von Rainer Aschemeier  •  17. August 2012
Katalog-Nr.: DSL-92156 / 053479215628

Ein Hauch von Dèja-vu-Effekt stellte sich bei mir unlängst ein, als ich die neueste CD des hochklassigen Sono Luminus-Labels (ehemals bekannt als „Dorian“) auf den Schreibtisch bekam. Mit „But Not Forgotten“ legt Klarinettist Marcus Eley zusammen mit seiner Duettpartnerin Lucerne DeSa eine hochklassige Anthologie US-amerikanischer Musik für Klarinette und Klavier vor – und eben das, gab es auch im August 2011 aus dem Hause Sono Luminus (damalige Rezension siehe hier).

P. Mennin - "Moby Dick" / Sinfonie Nr. 3 / Sinfonie Nr. 7
Seattle Symphony - G. Schwarz

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P. Mennin - Concertato for Orchestra "Moby Dick" / Sinfonie Nr. 3 / Sinfonie Nr. 7 "Variation Symphony"

"Ausgrabung" aus dem Keller der gemäßigten US-Musikmoderne

von Rainer Aschemeier  •  15. August 2012
Katalog-Nr.: 8.559718 / EAN: 636943971826

Peter Mennin gehört zur gleichen Generation wie einige der herausragenden und weltweit anerkannten Größen der klassischen US-Musikmoderne, so etwa William Schuman oder Elliott Carter. Im Gegensatz zu diesen vermochte oder wollte Mennin es aber nicht, radikale Neuerungen in der Musik zu akzeptieren oder gar selbst mitzuentwickeln.
Sein Stil blieb durchwegs spätromantisch, auch wenn er sich gelegntlich an den Grenzen der Tonalität rieb und mit einem Bein im Expressionismus zu stehen schien.

M. Ravel / E. Bloch / L. Janáček - Musik für Violine und Klavier
C. Åstrand (Geige), P. Salo (Klavier)

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Maurice Ravel / Ernest Bloch / Leoš Janáček - Musik für Violine und Klavier (CD + DVD)

Irrlichternde Kammermusik-Amour fou - Atemberaubend!

von Rainer Aschemeier  •  1. August 2012
Katalog-Nr.: ORC100022 / EAN: 5060189560226

Es gibt Momente auf dieser CD, die so innig, annähernd transzendental schön sind, dass man mit atemloser Spannung vor der HiFi-Anlage verharrt. Vor allem im ersten Satz von Ravels wunderbarer Sonate und in Blochs poème mystique finden sich solche Stellen. Sie zählen mit zum Ergreifendsten und ganz schlicht Großartigsten, was ich nicht nur in diesem Jahr sondern überhaupt jemals in Sachen Kammermusik auf CD gehört habe.

A. Hailstork - Sinfonie Nr. 1 / An American Port Of Call / etc.
Virginia Symphony Orchestra & Chorus - JoAnn Falletta; Kevin Deas (Bariton)

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Adolphus Hailstork - Sinfonie Nr. 1 / "An American Port of Call" und weitere Orchesterwerke

Von fortgeschrittenem "Strawinskynismus" und Pathos-überladenen Oratorien

von Rainer Aschemeier  •  3. Juli 2012
Katalog-Nr.: 8.559722 / EAN: 636943972229

Aus meiner persönlichen Sicht liegen die Amerikaner mit ihrem Trend auch gar nicht so verkehrt, sollte es doch die oberste Maxime sein, Neue Musik auch zu den Menschen zu bringen. Doch das, was manche US-Komponisten so vom Stapel lassen, ist manchmal ganz schön krudes Zeug.
Da gibt es Stücke, die platzen vor Pathos und Historienverehrung, andere sind programmatisch bis zur unfreiwilligen Komik, und wieder andere sind dem Jazz eigentlich näher als der Neuen Musik.
Letztendlich gibt es unter der neu-tonalen US-E-Musik aber auch viel Hörenswertes.

J. Cage - Sonaten u. Interludien f. präp. Klavier
C. Pescia

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John Cage - Sonaten und Interludien für präpariertes Klavier

Grandiose Cage-CD aus dem Berliner Funkhaus an der Nalepastraße

von Rainer Aschemeier  •  16. Mai 2012
Katalog-Nr.: AECD 1227 / EAN: 3760058360279

1951 wurde es beauftragt, das unnachahmliche Gebäudeensemble des Funkhauses Nalepastraße an der Spree in Berlin. Beinahe vierzig Jahre lang wurde von dort aus jeglicher Rundfunk in der DDR aufgenommen, gesendet – und kontrolliert.
Nur wenige Jahre vorher, in den Jahren 1946 bis 1948, kreierte der US-Amerikaner John Cage eine neue Art, ein klassisches Klavier zu präparieren. Mit Schrauben, Büroklammern, Radiergummis, Papierstreifen und allerlei anderen Gegenständen traktierte Cage fortan Klaviere, um aus dem Instrument völlig neue, bis dahin ungekannte Sounds herauszuholen.
Auf der vorliegenden CD des französischen Labels Aeon, das sich ganz der Verbreitung der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts verschrieben hat, werden nun beide Welten zusammengeführt – auf denkbar anregendste Art und Weise.

I. Strawinsky - Werke für Violine und Piano
Carolyn Huebl & Mark Wait

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Igor Strawinsky — Suite italienne, Divertimento, Duo Concertant

Das Duo Huebl und Wait: Letztes Jahr Referenzklasse, heute leider nur moderat

von Rainer Aschemeier  •  10. April 2012
Katalog-Nr.: 8.570985 / EAN: 747313098576

Nun also erscheint das Duo Concertant noch einmal auf Naxos, diesmal im Rahmen einer CD, die alle Werke für Geige und Klavier auf sich vereint, die Strawinsky geschrieben hat. Die Interpreten aus den genannten Gründen ungewöhnlichen dieser Naxos-Novität ließen ebenfalls große Taten erwarten, handelt es sich doch um niemand Geringeres als Carolyn Huebl und Mark Wait, die im letzten Jahr eine geradezu atemberaubende Gesamteinspielung der Schnittke-Violinsonaten eingespielt hatten, die mit zum Besten gehörte, was im letzten Jahr auf CD überhaupt veröffentlicht wurde.

E. Brown: Abstract Sound Objects
S. Liebner (Klavier)

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Earle Brown — "Abstract Sound Objects"

Überblick über das Klaviermusikschaffen eines der Hauptvertreter der "New York School"

von Rainer Aschemeier  •  13. März 2012
Katalog-Nr.: WER 67452 / EAN: 4010228674521

Hier also stellt Liebner nun eine neue CD mit Werken von Earle Brown vor, die dieser in der Zeit zwischen Mitte der 1950er-Jahre bis etwa 1995 geschrieben hat. Sie bieten einen guten Überblick über die Entwicklung dieses Komponisten, der zusammen mit John Cage, Morton Feldman, Christian Wolff und David Tudor heute zur „New York School“ im Bereich der zeitgenössischen Komponisten gerechnet wird. Leider wurde Earle Browns Musik bislang keine solche Renaissance auf Tonträger zuteil, wie man sie bei Morton Feldman oder John Cage in den letzten Jahren erlebt hat.

"Sounds of Defiance"
Y. Kutik (Geige), T. Bozarth (Klavier)

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Schnittke, Achron, Schostakowitsch, Pärt - Yevgeny Kutik, Timothy Bozarth

Nachwuchswunder mit spannendem CD-Debüt

von Rainer Aschemeier  •  8. März 2012
Katalog-Nr.: MAR 81429 / EAN: 774718142924

Unermüdlich stelle ich an dieser Stelle immer mal wieder die zum Teil herausragenden CDs des kanadischen Indie-Labels „Marquis“ vor. Leider sind diese Schmuckstücke nach wie vor nur über Importkanäle zu beziehen. Entgegen meiner vor einiger Zeit vorschnell gegebener Ankündigung (s. hier) gibt es für die CDs des engagierten Labels aus Toronto leider auch weiterhin keinen Deutschlandvertrieb.

Portals
St. Petersburg Symphony Orchestra - V. Lande

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"Portals"

Neue CD des St. Petersburger Sinfonieorchesters unter der großartigen Leitung von Vladimir Lande

von Rainer Aschemeier  •  20. Februar 2012
Katalog-Nr.: MARQUIS 81423 / EAN: 774718142320

Die CD, die auf dem in Deutschland leider nur per Import zu beziehenden kanadischen „Marquis“-Label erschien, ist vom St. Petersburger Sinfonieorchester unter Leitung seines ersten Gastdirigenten Vladimir Lande hervorragend eingespielt worden. Es ist dies nun schon die zweite CD in dieser Besetzung, die www.the-listener.de vollauf überzeugen konnte.

C. Theofanidis - Symphony No. 1 / P. Lieberson - Neruda Songs
Atlanta Symphony Orchestra - R. Spano

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Christopher Theofanidis - Symphony No. 1 / Peter Lieberson - Neruda Songs

Das "singende" Orchester des Christopher Theofanidis

von Rainer Aschemeier  •  17. Februar 2012
Katalog-Nr.: CD-1002 / EAN: 816436010014

Die erste hier auf www.the-listener.de vorzustellende Neuerscheinung von „ASO Media“ ist deren erst erst zweite Veröffentlichung auf dem brandneuen Label. „ASO Media“ ist nämlich das neue, eigene Label des Atlanta Symphony Orchestra.

Zukunftsweisend, altbacken oder einfach nur renitent?

Zeitgenössische US-Komponisten feiern Welterfolge mit neu-tonaler Musik - und die deutsche Klassik-Szene verschläft es!

von Rainer Aschemeier  •  15. Februar 2012

Während wohl kaum jemand abstreiten wollen würde, dass Amerika nach wie vor DER Taktgeber in Sachen Popmusik ist, nach dessen Pfeife die ganze Welt zu tanzen bereit ist, wird doch der Unterschied zwischen europäischer und amerikanischer Denkweise nirgendwo offensichtlicher als im Bereich der klassischen Musik.

Quartettsätze
Signum Quartett

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Signum Quartett — Quartettsätze

Für Freigeister und Weltumarmer

von Rainer Aschemeier  •  31. Januar 2012
Katalog-Nr.: C5064 / EAN: 845221050645

„Wer soll das eigentlich hören?“
Das war meine erste, nicht abwertend, sondern durchaus mit Hochachtung gemeinte Reaktion nach dem Hören der hier vorgestellten, zweiten CD der jungen Musikerinnen und Musiker des Signum Quartetts. Es gehört jedenfalls gehörige Chuzpe dazu, ein solch kunterbuntes CD-Programm auf den Markt zu werfen.

C. Ives - Violinsonaten (Gesamt-Einspielung)
H. Hahn, V. Lisitsa

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Charles Ives — Violinsonaten (Gesamteinspielung)

Ives auf Trockeneis

von Rainer Aschemeier  •  28. Januar 2012
Katalog-Nr.: 477 9435GH / EAN: 028947794356

Eher selten bekommt man auf unseren Seiten im Internet mal eine CD der Deutschen Grammophon Gesellschaft zu sehen, was wohl einfach daran liegt, dass diese Firma nicht eben den Mut zur Programmvielfalt gepachtet zu haben scheint.
Doch nun liegt auf dem traditionsreichen Klassiklabel mal eine doppelte Überraschung vor: Nicht nur gibt es heuer eine Neuaufnahme der bislang eher selten eingespielten Violinsonaten des Vaters der US-amerikanischen Musikmoderne, Charles Ives, zu hören, es ist dazu auch noch eine Spitzenbesetzung am Werk!

Gulfstream
enhakē

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Gulfstream — enhakē

Musik komponierender Nachkommen in die USA ausgewanderter Europäer

von Rainer Aschemeier  •  19. Dezember 2011
Katalog-Nr.: 8.559692 / EAN: 636943969229

Eine ganz spannende neue Kammermusik-CD ist im Dezember bei Naxos erschienen. Enthalten sind Stücke US-amerikanischer oder in die USA ausgewanderter Komponisten. Besonders neugierig war ich auf das praktisch brandneue Stück „Rodeo Queen of Heaven“ von Libby Larsen (wie immer, wenn es mal etwas Neues von dieser kompositorischen Ausnahmebegabung zu hören gibt). Jedem, der Libby Larsens Musik noch nicht kennt, ist dringend zu empfehlen, die Bekanntschaft damit schleunigst nachzuholen, denn zumindest für mein Empfinden, gehört die Komponistin aus den USA schon seit den 1980er-Jahren zu den wenigen wirklich vollauf überzeugenden Musikschöpfern der Gegenwart.

J. Cage - "etudes australes"
Sabine Liebner

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John Cage — "etudes australes"

Lost in the stars...

von Rainer Aschemeier  •  24. November 2011
Katalog-Nr.: WER 6740 2 / EAN: 4010228674026

Über John Cage kann man denken, wie man will. Die Einen sehen in ihm ein musikalisches Genie, vielleicht das größte nach Strawinsky, die Anderen sprechen ihm sogar den Status als Komponist ab. Letztere Extremmeinung ist sogar gar nicht so abwegig, wenn man einige seiner Werke näher betrachtet. Die auf der vorliegenden Novität neu eingespielten „etudes australes“ zum Beispiel sind Meisterwerke aus John Cages aleatorischer Phase. Das bedeutet, dass sowohl bei ihrem Schöpfungsprozess, der „Komposition“, der Zufall ein ebenso wesentlich bestimmendes Element war, als er es auch bei der „Nachschöpfung“, der Interpretation, ist.

Toccata und Fuge
Leopold Stokowski and his Symphony Orchestra

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Leopold Stokowski — Bach-Transkriptionen

Mit Pauken und Trompeten...

von Rainer Aschemeier  •  19. August 2011

In dieser Sphäre also schrieb Stokowski, der Klangmagier, der von jeher einen Hang zum Monumentalen hatte, seine Transkriptionen von Musik Johann Sebastian Bachs und ließ sie (buchstäblich) unter Anwendung von Pauken und Trompeten (besser noch Tuben und Posaunen) wieder auferstehen. Unterstützt wurde Stokowski dabei von seinem eigenen Sinfonieorchester und von den besten Toningenieuren der damaligen Zeit, die das ganze Projekt so ausrichteten, das alles, aber auch wirklich alles auf den Maestro maßgeschneidert wurde.

A. Copland - Quiet City (Welt-Ersteinspielung in Original-Instrumentation)
Christopher Brellochs und div. Sol.

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Aaron Copland - Quiet City (Weltersteinspielung in Originalinstrumentation)

Copland reconstructed

von Rainer Aschemeier  •  11. August 2011
Best.-Nr.: DSL-92135 / EAN: 053479213525

Es ist ein Naturreflex bei Plattensammlern, und das Wort „Weltersteinspielung“ löst ihn aus: Kurzes Zusammenzucken, gedankliches Überschlagen der Repertoire-Reichweite dieses Vorfalls, sodann (bei positiver Prüfung) gedankliches Überschlagen des zur Verfügung stehenden Raums im CD-Ständer und des zur Verfügung stehenden CD-Budgets für den laufenden Monat — Das ganze passiert innerhalb von etwa 30 Sekunden. Plattenfirmen wissen das genau.

Voices of the Rainforest
Meininger-Trio

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Meininger-Trio — Voices of the Rainforest

Keine Angst vorm Regenwald!

von Rainer Aschemeier  •  5. August 2011
Best.-Nr.: PH11039 / EAN: 881488110395

Das Meininger-Trio musiziert (wie man aus den bisherigen Ausführungen sicher schon herauslesen konnte) in der Besetzung Flöte, Klavier und Violoncello. Sämtliche Stücke dieser CD spielt es in einer Präzision, die beachtlich ist, jedoch an Emotionalität und Wärme ebenfalls nichts vermissen lässt. Es ist diese beeindruckende Kombination, welche die hier versammelten Darbietungen wirklich zu etwas ganz Besonderem machen. Die Aufnahme wird durch einen annähernd perfekt eingefangenen Sound abgerundet, der endlich (!) auch mal zeigt, wie tief in den Basskeller ein Klavier hinabreicht.

C. P. Stamitz & F. A. Hoffmeister - Violakonzerte
Baltimore Chamber Orchestra - Markand Thakar; Viola: Victoria Chang

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C. P. Stamitz & F. A. Hoffmeister - Violakonzerte

Raritäten aus Mannheimer Schule und Wiener Klassik in wenig aufregenden Darbietungen

von Rainer Aschemeier  •  20. Juli 2011
Best.-Nr.: 8.572162 / EAN: 74313216277

Das eigentlich Besondere an dieser neuen Naxos-CD ist jedoch die Tatsache, dass hier Bratschenkonzerte aus der Mannheimer Schule und der Wiener Klassik erklingen, Konzerte für ein Instrument also, dass damals wie heute nur selten als Soloinstrument eingesetzt wird. In der Wiener Klassik muss es allerdings noch deutlich seltener als heute vorgekommen sein, dass die Viola solistisch zum Einsatz kam. Dies wird auch deutlich durch die sehr lückenhafte Quellensituation, die den hier eingespielten Stücken zugrunde liegt.

Live at Donington 1990
Whitesnake

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Whitesnake - Live at Donington 1990

Flashback aus der "aphonen Phase"

von Rainer Aschemeier  •  18. Juli 2011
Best.-Nr.: FR CDVD 516 / EAN: 8024391051641

Man muss schon ziemlich viel Chuzpe haben, um in einem Jahr gleich zwei Whitesnake-Alben auf den Markt zu werfen, doch das italienische Frontiers-Label macht exakt das. Neben dem höchst mittelmäßigen neuen Opus „Forevermore“, das im Frühjahr erschien, legen die Jungs von Frontiers records pünktlich zum Start der Whitesnake-Europatour noch ein Doppellivealbum drauf. Ob das Zufall ist?

Dedicated to Chaos
Queensrÿche

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Queensrÿche - Dedicated to Chaos

Es fehlen weiterhin Saft und Kraft

von Rainer Aschemeier  •  12. Juli 2011
EAN: 016861773427

Überwiegend regiert ein schwerer Mid-Tempo-Beat, der durch grungig-angezerrte Gitarren und jede Menge effekthascherischer postproduction-Sounds begleitet wird. Sänger Geoff Tate ist weiterhin hervorragend bei Stimme, wirkt jedoch zunehmend wie ein Fremdkörper, da er die einzige Konstante aus alten Glanzzeiten zu sein scheint. Selbst gute Ansätze, wie etwa das knackige Riff von „Retail Therapy“, werden durch erstaunlich uninspirierte Melodien „drumherum“ zunichte gemacht; selbst der Innenaufbau solcher Songs wirkt chaotisch oder besser gesagt „unaufgeräumt“.

The Art of Vivaldi's Lute
The Bach Sinfonia, Daniel Abraham; Ronn McFarlane (Laute)

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Antonio Vivaldi - "The Art of Vivaldi's Lute"

Von verschwindenden Lauten und fehlenden Cembali

von Rainer Aschemeier  •  7. Juli 2011
Best.-Nr.: DSL-92132 / EAN: 05347921322

Auf ihrem aktuellen Album „The Art of Vivaldi’s Lute“ bietet man ein buntes Programm von Werken des venezianischen Barockkomponisten, in denen die Laute mal mehr, mal weniger prominent eine Rolle spielt. Solche Zusammenstellungen gab es schon häufig auf dem Klassikmarkt. Also musste eine besondere „Idee“ her, die das Album mit dem notwendigen „Alleinstellungsmerkmal“ (so nennen das die Vertriebsleute gern, wenn ihnen die Qualität der Aufführung oder die Prominenz der Ausführenden allein nicht ausreicht, um die CD als gut verkäuflich zu betrachten) auszustatten. Die Ausführenden entschieden sich dazu, Vivaldis Musik ohne Cembalo aufzuführen und die Basso-Continuo-Begleitung per Theorbe zu erledigen.

What's It All About
Pat Metheny

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Pat Metheny - What's It All About

Metheny als Fan

von Rainer Aschemeier  •  4. Juli 2011
EAN: 0075597964707

Beinahe jedes Jahr beglückt Gitarrist Pat Metheny sein Publikum mit einem neuen Album. Und obwohl man Metheny in einschlägigen Musiklexika und selbst in der wikipedia in der Regel unter „Jazz“ einsortiert findet, gibt es doch kaum einen Musiker, der das Schubladendenken á la Lexikon mehr ad absurdum geführt hat, als er. Der US-Amerikaner rekrutiert seine Fans schon seit langem aus allen möglichen Lagern – egal, ob Rockfans, Jazzer, passionierte Klassikhörer, Folkbarden oder Gelegenheits-Musikhörer: Irgendwie finden alle Metheny gut.

Channel Pressure
Ford & Lopatin

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Ford & Lopatin - Channel Pressure

"Futureshock" für Youngster

von Rainer Aschemeier  •  20. Juni 2011
EAN: 602527706825

Ganz spannend finde ich eine neue Veröffentlichung im Bereich der elektronischen Musik, die ich Euch deswegen hier vorstellen möchte. Es handelt sich dabei um das Debüt des Duos „Ford & Lopatin“. Dahinter verbergen sich die Produzenten Daniel Lopatin (in der Szene wohl besser unter dem haarsträubenden Synonym „Oneohtrix Point Never“ bekannt) und Joel Ford, der eigentlich bei der Elektro-meets-70’s-Disco-Kapelle „Tigercity“ musiziert.

A. Schnittke - Violinsonaten (Gesamtaufn.)
Carolyn Huebl & Mark Wait

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Alfred Schnittke - Violinsonaten (Gesamtaufnahme)

Das letzte Kompositionsgenie des 20. Jahrhunderts in einer Referenzaufnahme

von Rainer Aschemeier  •  10. Juni 2011
Best.-Nr.: 8.570978 / EAN: 7473313097876

Unter diesen ganz großen Komponisten muss zweifellos auch der Wolgadeutsche Alfred Schnittke (1934-1998) genannt werden. David Geringas sagte beispielsweise von Schnittkes „Epilog“ aus dem Ballett „Peer Gynt“ für Cello, Klavier und Tonband, dass es das beste Stück für Cello und Klavier seit Beethovens Cellosonaten sei – und das bedeutet: Alleroberste Kategorie!

King of Zydeco
Clifton Chenier

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Clifton Chenier - King of Zydeco

Der King lebt!

von Rainer Aschemeier  •  1. Juni 2011
ISBN: 0786617799

Als ich gesehen habe, dass auf der Novitätenliste der letzten Woche auch ein Titel von Clifton Chenier auftauchte, habe ich die Gelegenheit ergriffen, um Euch den 1987 verstorbenen Akkordeonisten mal etwas näher zu bringen. Außerdem dürfte „King of Zydeco“ wohl zu den skurrilsten Veröffentlichungen des laufenden Jahres gehören — Grund genug, um einmal näher hinzusehen.

Avenging Angel
Craig Taborn

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Craig Taborn - Avenging Angel

Racheengels großer Auftritt

von Rainer Aschemeier  •  18. Mai 2011

Craig Taborn ist mit „Avenging Angel“ ein ganz großer Wurf gelungen und ECM darf stolz darauf sein, ein so wunderbares Album veröffentlichen zu dürfen — auch wenn die Kunden, die sich für solche Musik interessieren womöglich äußerst „überschaubar“ bleiben dürfte. Taborns erste ECM-CD ist erfreulicherweise weder etwas für unterkühlt-loungige Cocktail-Schlürfer, noch etwas für hochgeistige Avantgarde-Snobs, noch etwas für eingefleischte Jazz-Puristen. Es ist einfach ein Album für Leute mit Gefallen an richtig gutem Musikgeschmack — und ich nehme polemischerweise mal an, da bleibt heutzutage vielleicht noch ein knappes Prozent der „Masse“ übrig. Oder sehe ich die Dinge zu schwarz?

Razorback Killers
Vicious Rumors

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Vicious Rumors - Razorback Killers

Von der Stange...

von Rainer Aschemeier  •  14. Mai 2011

Der raue Sound von Allens Stimme verleitet auch die gesamte Band dazu, wieder härter zur Sache zu gehen, als es für Vicious Rumors gut ist. So befindet man sich auf „Razorback Killers“ erneut im Grenzbereich zwischen Power Metal und Thrash Metal, man könnte auch sagen: Zwischen allen Stühlen. Da können auch Gaststar-Auftritte übriggebliebener Helden von damals (Mark McGee) nix retten. Die Songs sind von der Stange des heutigen gesichtslosen Musikbetriebs im Sektor Metallwaren, Sortierung: grob.

Dr. Faith
Christopher Cross

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Christopher Cross - Dr. Faith

'bisschen Schmalz auf's Brot ist ja auch mal nett...

von Rainer Aschemeier  •  3. Mai 2011

Hatten wir solche von Plate Hall-Effekten versilberten Vocalspuren, weichgespülten Streicher und vor Choruseffekten durchgenudelten Pianoparts nicht schon vor mindestens 16, 17 Jahren kollektiv zu den Akten gelegt? Egal! Christopher Cross holt sie alle wieder raus aus der Klamottenkiste.

Jennifer Higdon - The Singing Rooms
Atlanta Symphony Orchestra and Chorus - Robert Spano (Dir.), Jennifer Koh (Violine)

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Musik von Higdon, Singleton, Skrjabin

Ekstatischer Sahnehappen

von Rainer Aschemeier  •  28. April 2011

Das Atlanta Symphony Orchestra gilt spätestens seit der Verpflichtung seines derzeitigen GMD Robert Spano vor zehn Jahren nicht nur als eines der allerbesten, sondern auch als eines der abenteuerlustigsten Orchester Amerikas – vielleicht sogar der Welt. Eine CD-Veröffentlichung wie die hier vorliegende würde, käme sie von den Berliner Philharmonikern mit Simon Rattle, Aufschreie des Entsetzens unter denjenigen hervorrufen, die meinen, das sich gute Musik lediglich in einem Zeitkorridor zwischen Haydn und Strauss abspielt und dass ein großes nationales Orchester schließlich für etwas anderes, das ja dann sowieso nur „B-Liga“ sein könnte – zumal, wenn es aus Amerika stammt – „zu schade“ sei. Wie engstirnig und langweilig ist doch der Großteil der deutschen und europäischen Klassik-Szene!

Last of the Country Gentlemen
Josh. T. Pearson

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Josh T. Pearson - Last of the Country Gentlemen

Tief empfundene Rauschebartmusik

von Rainer Aschemeier  •  8. April 2011

Eine der merkwürdigsten Gestalten des heutigen Musikbiz meldet sich zur Entzückung von derzeit vielen Musikzeitschriften zurück. Es handelt sich um Josh T. Pearson, einen Singer/Songwriter, der in den Neunzigern mit einer Indie-Kapelle namens Lift to Experience eine EP, eine Single und ein Doppelalbum aufgenommen hatte. Pearson – damals noch unter dem Namen Josh „Buck“ Pearson firmierend – bekehrte sich anschließend selbst zum Alt.-Country-Sound, reiste jahrelang durch die USA, um auf Festivals und Politveranstaltungen zu singen und ließ sich einen Rauschebart wachsen. Ein dabei (beim Singen, nicht beim Bart wachsen lassen) mitgeschnittenes Bootleg war die bislang einzige reguläre Solo-Veröffentlichung des Künstlers, der nun von Kultur-Spiegel bis in die Tiefen der webblogs Schreie der Verzückung bei seinen Hörern bzw. Rezensenten hervorruft. Klar also, dass sich auch „The Listener“ diesen schratigen Kauz mal näher vornehmen musste.

Michael
Michael Jackson

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Michael Jackson - Michael

Zwischen Heldenverehrung und Leichenfledderei

von Rainer Aschemeier  •  28. März 2011

Als nach dem Tod Michael Jacksons bekannt wurde, dass noch Musik für etwa neun (!) komplette Alben vorliege, welche aber in einem unvollständigen Status sei und erst noch von namhaften Produzenten „fertiggestellt“ werden müsse, war Schlimmes zu erwarten. Zwar hatte Michael Jackson in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten selbst eifrig daran gearbeitet, dass seine Alben kaum mehr für voll genommen werden konnten, doch wer, wie ich, in den goldenen Achtzigern popsozialisiert wurde, für den ist klar: Michael Jackson ist der Meister! Punkt! Alle, die Gegenteiliges zu sagen haben: Setzen, Sechs in Popmusikgeschichte!

Russische Musik für Cello und Klavier
Wendy Warner & Irina Nuzova

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Wendy Warner & Irina Nuzova - Russische Musik für Cello und Klavier

Schwelgerische Musik angenehm nüchtern interpretiert

von Rainer Aschemeier  •  16. November 2010

Eine CD, die sich der Verbreitung seltenst zu hörender und zutiefst originär russischer Musik widmet, würde man auf den ersten Blick nicht unbedingt beim Label Cedille vermuten. Denn „Cedille Records“ ist das Plattenlabel der Chicago Classical Recording Foundation, einer Stiftung, die sich der Dokumentation von Tonaufnahmen von Künstlern aus dem Großraum Chicago gewidmet hat und in den sonst finanziell doch eher unspaßigen USA tatsächlich von der Steuer befreit ist. Fördert der US-amerikanische Staat also nun den alten Klassenfeind?

Dio at Donington: Live 1983 & 1987
Dio

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Dio at Donington - Live 1983 & 1987

Rare Livedokumente

von Rainer Aschemeier  •  14. November 2010

Echte, nimmermüde und nimmersatte Dio-Fans kannten die Aufnahmen, die nun als erste „Nachlese“ nach dem Tode des großen, einflussreichen Metalsängers Ronnie James Dio das Licht der Welt erblickten längst. Die hier versammelten BBC-Live-Mitschnitte der beiden Gastauftritte des stimmgewaltigen Sängers beim „Monsters of Rock“-Festival in Castle Donington in den 1980er-Jahren genießen ohnehin Kultstatus.

Destroy The War Machine
Warrior Soul

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Warrior Soul - Destroy The War Machine

Kory Clarke endlich wieder politisch unbequem

von Rainer Aschemeier  •  29. Mai 2010

Nach dem letzten – und wohl besten – Album in der Karriere der Kultband Warrior Soul im Jahre 1994 war es doch relativ still geworden um Frontmann Kory Clarke. Clarke, der Ende der 1980er angetreten war, um mit Warrior Soul eine spektakuläre und von Beginn an politisch äußerst unbequeme Mischung aus „Iggy Pop meets Heavy Metal“ auf’s Parkett zu legen, gehört schon lange zu den kultisch verehrten Größen des Undergrounds.

"Rock and Roll ends with my eyes"

Trauer um Ronnie James Dio - Ein Nachruf

von Rainer Aschemeier  •  18. Mai 2010

Die Nachricht traf uns unvorbereitet: Am 16. Mai um 7:45 Uhr Ortszeit ist Ronald James Padavona, besser bekannt als Ronnie James Dio im Alter von vermuteten 66 Jahren in einer Klinik in Houston/Texas gestorben.
Mit Ronnie James Dio verlässt einer der ganz Großen die Rockbühne, einer, von dem die Wenigsten wissen, wie irrsinnig lange er als Musiker aktiv war. Ronnie James Dio begann seine Karriere mit Rockabilly-Bands wie „The Vegas Kings, „Ronnie and the Rumblers“, „Ronnie and the Red Caps“ und „Ronnie Dio and the Prophets“. Seine erste 7“-Single soll aus dem Jahr 1957 datieren…

Civilians
Joe Henry

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Joe Henry - Civilians

Der Maisfeldersatz fürs CD-Regal

von Rainer Aschemeier  •  24. August 2009

„Civilians“ ist in der Tat ein sehr reizvolles Album, auch für die Sommeranwendung. Nein, nicht solche Sommer, wie wir sie hier in Baden-Württemberg, Brüssel, Italien oder Weißrussland erleben, sondern solche Sommer, wie man sie aus amerikanischen Roadmovies kennt: Mit unbarmherziger Sonne, Straßenstaub und nicht enden wollenden Korn- und Maisfeldern.

The Very Best Things
Filter

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Filter - The Very Best Things

Leicht Gestörte leben länger

von Rainer Aschemeier  •  6. Juni 2009

Als 1995 Filters Debütalbum „Short Bus“ erschien, hätte ich alles Mögliche erwartet, aber nicht, dass ich 14 Jahre später einmal ein „Best Of“-Album dieser Band in Händen halten würde.

Together Through Life
Bob Dylan

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Bob Dylan - Together Through Life

Mit Akkordeon durchs Leben...

von Rainer Aschemeier  •  16. Mai 2009

„Together Through Life“ ist auch diesmal wieder eine dieser schönen „Road Movie“-artigen Scheiben, die einem die südwestdeutsche Autobahn zum Highway werden lassen – und den eigenen FIAT zum Chevy…

The Devil You Know
Heaven & Hell

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Heaven & Hell - The Devil You Know

Böse Überraschung!

von Rainer Aschemeier  •  16. Mai 2009

Ein besonders fies dreinblickender Doibel schaut uns an vom Cover der lang erwarteten und immer wieder verschobenen neuen CD „The Devil you Know“ des Black Sabbath-Derivats „Heaven & Hell“. Klar: ohne Augen, dafür mit drei Zungen, Parodontose und einer schweren, wahrscheinlich seit Millionen Jahren andauernden Hauterkrankung – da kann man schon mal ausflippen.

The Complete Sun Masters
Johnny Cash

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Johnny Cash - The Complete Sun Masters

Für Jäger und Sammler

von Rainer Aschemeier  •  16. Januar 2009

Bei „The Complete Sun Masters“ ist der Name Programm. Die engagierten Macher der optisch leider weniger engagiert gestalteten Box haben sich in die tiefsten Tiefen der Archive begeben und haben auf 3 CDs echt alles, alles und nochmals alles zusammengetragen, was Johnny Cash jemals auf Sam Phillips‘ „Sun“-Label veröffentlicht hat. Nicht wenige Anhänger des „Man in Black“ sind ja bis heute der Meinung, die „Sun“-Phase sei seine beste gewesen. Ob dem tatsächlich so ist, kann nun jeder Fan selbst ergründen.

Aliens vs. Predator II
The Brothers Strause

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Aliens vs. Predator II

Atomarer Großangriff auf die Drehbuch-Logik

von Rainer Aschemeier  •  27. Juni 2008

Selbstverständlich befindet sich nicht nur das „Predalien“ bei bester Gesundheit, sondern auch einige – offenbar für weitere Großwildjagden gezüchtete und bis dahin erst einmal in Glaskübeln konservierte – Alien-Sprößlinge sind wohlauf und fackeln nicht lange. Der Absturz des Raumschiffs alarmiert einen Stützpunkt auf dem Predator-Heimatplaneten. Hier wird zur Eindämmung der „Seuche“ ein „Cleaner“ losgeschickt – einer, der aufräumt, wenn die Alien-Parties der Verwandschaft außer Kontrolle geraten.

Good to be Bad
Whitesnake

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Whitesnake - Good to be Bad

Weiße Schlange mit Zahnprothese

von Rainer Aschemeier  •  20. Mai 2008

Der erste Höreindruck: Unverschämt druckvoller Sound! Fast schon zu druckvoll – ähnlich übertrieben wie seinerzeit das ebenfalls überfrachtete „Coverdale/Page“-Album – bläst die CD vom ersten Moment an alles weg, was sich zufällig gerade vor den Boxen aufgehalten hat. Kein Wunder: „produced, engineered and mixed by the Brutal Brothers“. Es musste ja so kommen: Nach 30 Jahren im Business ist Coverdale reif für eine Reise nach Klapsmühl…

In the Midst of Beauty
MSG

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MSG - In the Midst of Beauty

Michael Schenker endlich wieder in Amt und Würden!

von Rainer Aschemeier  •  20. Mai 2008

Michael Schenker braucht keine erneute Vorstellung. Jeder weiß, er ist DER deutsche Rockgitarrist. Der Typ, der normalerweise in einem Atemzug mit Eddie Van Halen, Jimmy Page, Ritchie Blackmore und Jimi Hendrix genannt wird – aber leider auch der Typ, der während der letzten zehn Jahre wie eine Mischung aus Rübezahl und Wischmopp durch die Gegend gelaufen ist. Das „Deutsche Universalwörterbuch“ aus dem Hause „Duden“ definiert den „Mopp“ übrigens wie folgt: „einem Besen ähnliches Gerät mit langen [in einem Öl getränkten] Fransen zum Aufnehmen des Staubes auf dem Fußboden.“ Diese Zeiten sind im Hause Schenker also nun vorbei…

The Dio Years
Black Sabbath

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Black Sabbath - The Dio Years

Auf ein Neues... Die von Krisen geschüttelte Hassliebe Dio - Iommi geht in die dritte Runde

von Rainer Aschemeier  •  17. Juli 2007

Da mögen pseudo-subkulturelle Szene-Typen angewidert die Nase rümpfen, da mögen abtrünnige Ex-Metaller sich ruhig tausendmal den musikalischen Offenbarungseid „Sowas hör’ ich heut’ nicht mehr“ ausstellen – eins bleibt unbestreitbar: zu ihren besten Zeiten haben Black Sabbath den Rock so stark beeinflusst wie höchstens noch Led Zeppelin, The Who, Deep Purple, die Stones, Pink Floyd und… ja verdammt noch mal…die Beatles!

Barber, Ives, Copland, Cowell, Creston
Academy of St. Martin-in-the-Fields - Sir Neville Marriner

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Barber, Ives, Copland, Cowell, Creston

Academy of St. Martin-in-the-Fields - Sir Neville Marriner

von Rainer Aschemeier  •  17. Juli 2007

Es gibt gewisse CD’s, an die geht man einfach nicht unbefangen heran. Meist sind dies solche Tonträger, die einem in früher Jugend begegnet sind und die einen aus irgendeinem Grund seitdem nicht mehr losgelassen haben. Mit der vorliegenden Veröffentlichung des allseits bekannten Decca-Labels ist just dies wieder einmal geschehen.

Charles Ives - Symphonien Nr. 1 & Nr. 4
Dallas SO - Andrew Litton

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Charles Ives - Symphonien Nr. 1 & 4

(SACD)

von Rainer Aschemeier  •  8. Februar 2007

Charles Ives – der zu seinen Lebzeiten mehr als Versicherungskaufmann denn als Komponist von sich reden machte – ist aus heutiger Sicht eines der verkannten Genies der Musikgeschichte. Er experimentierte bereits mit Zwölftonexperimenten als Brahms noch lebte (!) und Schönberg noch nicht mal an Zwölftonreihen dachte. Polymetrik, Collage, graphische Notation, Bitonalität, Clusterbildung, etc. – all das findet sich bei Ives sehr früh, teilweise musikgeschichtlich sogar erstmals.

Thirteen Cities
Richmond Fontaine

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Richmond Fontaine - Thirteen Cities

Sie können’s: Roadmovie-Songs vom Feinsten

von Rainer Aschemeier  •  24. Januar 2007

Das Bild einer Landkarte und einer Route, an der Städte und Songs aufgereiht wie an einer Perlenschnur auftauchen, passt als Motiv für das neue, 7. Album von Richmond Fontaine in mehrerer Hinsicht.

Darius Milhaud - Klavierkonzerte Nr. 1-5
SWR RO Kaiserslautern - A. Francis, M. Korstick

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Darius Milhaud - Musik für Klavier und Orchester (Gesamtaufnahme)

SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern - Alun Francis, Michael Korstick

von Rainer Aschemeier  •  23. November 2006

CD-Einspielungen von Werken Darius Milhauds sind heutzutage selten geworden. Dabei zählte Milhaud einst zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten seiner Zeit. Als Mitglied des avantgardistischen frankophonen Komponistenbunds „Les Six“ befand er sich in den 1920er und 30er Jahren in der illustren Gesellschaft von Francis Poulenc, Germaine Tailleferre, Georges Auric, Arthur Honegger und Louis Durey. Das Grüppchen wurde durch den Einzug der Nationalsozialisten in Frankreich in alle Winde zerstreut und Milhaud landete – wie viele seiner Musikerkollegen – zunächst in den USA und machte dort Karriere.

Four on the Floor
Juliette and the Licks

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Juliette and the Licks - Four on the Floor

von Rainer Aschemeier  •  17. Oktober 2006

Juliette Lewis ist den meisten immer noch am ehesten als Schauspielerin ein Begriff: Ob in Robert Rodriguez’ „From Dusk ’til Dawn“, in Oliver Stones „Natural Born Killers“ oder in Martin Scorseses „Cape Fear“ (Oscar-Nominierung!) – die Dame wusste auf der Leinwand stets zu überzeugen. Als Juliette Lewis vor drei Jahren plötzlich ins Musikfach wechselte und ihren weitgehenden Ausstieg aus dem Filmrummel bekanntgab, konnte sich so mancher ein Schmunzeln nicht verkneifen. Spätestens jedoch als letztes Jahr das ratzescharfe (Europa)-Debüt „You’re Speaking my Language“ von „Juliette and the Licks“ erschien – in Amerika gab es 2003 bereits das Album “...like a Bold of Lightning“ –, war klar: Die Frau macht Ernst.

Highway Companion
Tom Petty

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Tom Petty - Highway Companion

von Rainer Aschemeier  •  10. Oktober 2006

Es bleibt also dabei, wer ein Tom Petty-Album erwirbt, bekommt Qualität. Dass Tom Petty die musikalische Innovation nicht unbedingt gepachtet hat, sollte inzwischen jeder mitbekommen haben. Der Mann fährt seit 1977 im Prinzip denselben Sound. Wer ausgerechnet auf „Highway Companion“ neue Offenbarungen erwartet, dem ist eben nicht zu helfen.

Roy Harris - Symphonien Nr. 3 & 4
Colorado SO - M. Alsop

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Roy Harris - Symphonien Nr. 3 & 4

Colorado Symphony Orchestra & Chorus - Marin Alsop

von Rainer Aschemeier  •  8. September 2006

Roy Harris muss in den USA eine Art musikalischer Nationalheiliger sein. Dies täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass sein recht umfangreiches Oeuvre im Rest der Welt im Prinzip keine Rolle spielt.

Eine Ausnahme hierbei bildet Harris’ dritte Symphonie aus dem Jahr 1938. Leonard Bernstein setzte sich Zeit seines Lebens stark für das einsätzige Stück ein und Sergej Kussewitzkij lobte das Werk nach seiner Uraufführung als „die erste große Symphonie eines Amerikaners“.

Rock Did It
Dirty Rig feat. Kory Clarke

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Dirty Rig feat. Kory Clarke - Rock Did It

von Rainer Aschemeier  •  31. August 2006

Jaaaaaaaaa! Der personifizierte Wahnsinn in Form von Kory Clarke ist wieder da!

„ENDLICH!“ kann man da nur beherzt seufzen. Immerhin ist Kory Clarke nicht nur als Ex-Frontmann von Kultbands wie „Warrior Soul“ oder „Space Age Playboys“ bekannt, sondern auch als einer der gemeinhin eifrigsten Konsumenten harter Drogen die die weltweite Rockszene zu bieten hat. Deswegen bin jedenfalls ich als Fan immer froh, alle paar Jahre wieder zu erfahren, dass der Mann überhaupt noch lebt.

Pearl Jam
Pearl Jam

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Pearl Jam

von Rainer Aschemeier  •  29. Juni 2006

Vier Jahre gingen ins Land, seit dem hervorragenden „Riot Act“-Album. Wirkte das letzte Werk vom optischen Eindruck her eher düster, so überrascht das neue Werk vor allem durch zwei äußere Merkmale: 1.: Der Titel des Albums ist schlicht „Pearl Jam“ betitelt. 2.: Das Cover zeigt eine halbierte Avocado (!). Spielen Pearl Jam damit etwa auf das Denkvermögen von George W. Bush an?

Ten

Ten
Pearl Jam

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Ten

von Rainer Aschemeier  •  1. Oktober 2003

Als harter Rock Anfang der 1990er Jahre in der Krise war, richteten sich die Augen auf eine Stadt im äußersten Nordwesten der USA: Seattle. Hier hatten bereits seit einigen Jahren Independent Bands versucht, dem üblichen Rock-Einerlei zu entgehen. Seattle war keine farbenfrohe Hollywood-Metropole wie Los Angeles, Seattle war grau und regnerisch, ein bisschen vergessen und ganz bestimmt nicht der Ort wo man eine Revolution der Rockmusik vermutet hätte. In dieser Stadt also entstand aus verschiedenen Vorgängerbands (darunter u.a. Mother Love Bone und Green River) die Formation Pearl Jam. Zusammen mit Nirvana waren sie die ersten, die Einflüsse von Siebziger Jahre-Rock, Independent und Wave sowie Punk zu einer Einheit verschmolzen. Dieser Sound sollte fortan als „Grunge“ von sich reden machen.

Das Debüt von Pearl Jam war beiderseits des Atlantiks ein Riesenerfolg. Besonders aber in den USA, wo „Ten“ 1992 auf Platz 2 der Charts schoss. Das Album war ein Parforceritt, ein nie da gewesener Geniestreich einer jungen Band, die bereits mit ihrem Debüt einen mit Hymnen gespickten Klassiker vorlegte. Nicht weniger als drei Hitsingles wurden aus dem Album ausgekoppelt und man fragte sich woher die kreative Energie dieser Bande von Großstadt-Provinzlern stammte, die Legenden wie „Once“, „Jeremy“, „Garden“ und insbesondere das getragene „Alive“ am Fließband abzuliefern schien. Bereits kurz nach dem Erscheinen von „Ten“ war klar, dass das Album in die Rockgeschichte eingehen würde. Pearl Jam hatten sich selbst die Messlatte für alles Kommende extrem hoch gelegt.

Einhergehend mit der Veröffentlichung des Albums wurden die Mitglieder der Band über Nacht zu Stars der Jugendkultur. Unzählige Poster und Devotionalien, sowie eine schier nicht enden wollende Tournee quer durch die Vereinigten Staaten machten Eddie Vedder, Stone Gossard, Mike McCready, Jeff Ament und Dave Abbruzzese, kurz Pearl Jam, zu den Helden der sog. „Generation X“. Besondere Kennzeichen: Ausgeprägter Weltschmerz, lässig um die Hüfte geschlungenes Karo-Hemd und kritische Haltung zur damaligen Regierung von George Bush Sr..

Auch aus heutiger Sicht wirkt „Ten“ keineswegs wie ein Trendprodukt, sondern hat auch über zehn Jahre nach seinem Erscheinen nichts von seiner Faszination verloren. Ein wahrer Klassiker der Rockgeschichte, auch wenn man im Lauf der Zeit einige unausgereifte Arrangements entdeckt, die man seinerzeit kommentarlos schluckte. „Ten“ steht noch immer über den Dingen und bleibt Pearl Jam’s bis heute bestes Album, dies sei vorweg genommen.

VS

Vs.
Pearl Jam

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Vs.

von Rainer Aschemeier  •  1. Oktober 2003

Nach dem Megaerfolg von „Ten“ zu beiden Seiten des Atlantiks warteten die jungen hungrigen Grunge-Fans auf neues Futter von ihren Vorzeigestars Pearl Jam. Obwohl die Musik von „Vs.“ von vielen Fans eher reserviert aufgenommen wurde, wurde es Pearl Jam’s bis dato erfolgreichstes Album und die erste Nr. 1-Platzierung in den Billboard-Charts.

„Vs.“ zeigte eine wesentlich besser eingespielte Band. Offenbar hatte sich die Routine die sich während der Mammuttournee zur Promotion des „Ten“-Albums eingestellt hatte durchweg positiv ausgewirkt. Im direkten Vergleich mit „Ten“ merkte man der Band an, dass sie musikalisch, sowohl was die Ideen aber auch was die spielerischen Fertigkeiten angeht, gewachsen war. Dazu kam eine weitere produktionstechnische Glanzleistung von Producer Brendan O’Brian. So dürfte „Vs.“ noch heute das Pearl Jam-Album mit dem besten und kraftvollsten Sound sein.

Was die Massen von Fans seinerzeit irritierte, war, dass „Vs.“ keine Hymnen lieferte, so wie man es wohl erwartet hatte. Während es mit Songs wie „Daughter“, „Glorified G.“ und „Go“ wieder reichlich Material zum Abrocken und melancholischen vor sich hindeprimieren gab (und immerhin Material für drei erfolgreiche Hitsingles), vermisste man doch den hymnischen Charakter von Songs wie „Alive“ oder „Jeremy“, die das erste Album so besonders hatten erscheinen lassen (als Hymne könnte man auf „Vs.“ am Ehesten noch die Single „Dissident“ durchgehen lassen). „Vs.“ war jedoch ein deutliches Statement einer Band, die sich mit diesem Album als (im positiven Sinne gesprochen) gewöhnliche Rockband outete. Während viele Grunge-Acts ihren ersten Gehversuche keine gleichwertigen musikalischen Leistungen entgegenzusetzen hatten, bekannten sich Pearl Jam zu Authentizität und Einfachheit und, ganz wichtig, lieferten keinen Abklatsch von „Ten“ ab, sondern ein eigenständiges Album, welches noch heute zu den Besten in Pearl Jam’s Karriere gehört.

CD-Cover Vitalogy

Vitalogy
Pearl Jam

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Vitalogy

von Rainer Aschemeier  •  1. Oktober 2003

Das Augenfälligste an „Vitalogy“ ist das außergewöhnlich gestaltete Albumcover. In Form eines Buches und somit in einer jedem handelsüblichen CD-Ständer tapfer trotzenden Form kam „Vitalogy“ einst daher und begeisterte landauf landab mit seinem grandiosen Coverkonzept.

Diese Wertung bezieht sich nicht nur auf den äußeren Schein, sondern auch auf den Bookletinhalt, der abwechselnd die Texte, in Eddie Vedder-typischer Manier auf irgendwelche Rechnungen oder sonstige Marginalien hingekritzelt, und Auszüge aus den Büchern „Lecture To Boys“ und „Lecture to Girls and Young Women“ (beide wohl um die Jahrhundertwende erschienen) enthält. Während man bei den sexualfeindlichen Texten der zuletzt erwähnten Buchauszüge aus heutiger Sicht das pädagogische Grausen bekommt, erfreut die Musik des Albums um so mehr.

1994 begann aber auch die Phase der Bandgeschichte, in der man es geschickt verstand immer den miesesten Song des Albums als erste Single auszukoppeln und somit eine Hitsingle quasi gezielt zu vermeiden :-). So war die erste Single dieses Albums „Spin The Black Circle“, sicherlich einer der uninspiriertesten „Vitalogy“-Tracks und verdientermaßen in den USA noch nicht einmal in den Top 50 der Charts vertreten (unerklärlicherweise jedoch eine Top Ten-Platzierung in Großbritannien, sehr strange!).

Der Großteil der CD war allerdings ein vorzüglicher Mix aus gediegenen Rockern (s. z.B. „Whipping“, „Not For You“, „Satan’s Bed“) und zauberhaften Balladen (insbesondere „Nothingman“, „Better Man“ und „Immortality“).

„Vitalogy“ zeigt erstmals eine sehr „erwachsen“ aufspielende Band. Nicht so sehr die jugendliche Aggression der ersten beiden Alben regiert hier, sondern vielmehr eine „Aura des musikalischen Werks“. „Vitalogy“ verdient es als Gesamtkunstwerk betrachtet zu werden. Pearl Jam wiederholten sich auch auf ihrem dritten Album nicht und schafften es wieder musikalische Neuerungen in ihrem Sound zu entwickeln.

Zwischenzeitliche psychedelische Ausflüge („Bugs“, „Aye Davanita“ und „Hey Foxymophandlemama, That’s me“) wirkten auf den ersten Blick etwas merkwürdig, bereichern jedoch im Nachhinein die Kernaussage des Albums auf eigenartige Weise. Und wenn sich bei „Bugs“ oder bei „Hey Foxymophandlemama, That’s me“ plötzlich die Nackenhaare senkrecht stellen, dann weiß man, dass auch diese „Songs“ ihren Wert haben.

Das Songmaterial kann zwar rein qualitativ nicht ganz gegen die spontane Art von „Ten“ oder „Vs.“ anstinken, dennoch sei jedem angehenden Pearl Jam-Fan das „Vitalogy“-Album hiermit wärmstens empfohlen, auch wenn die CD ein paar Durchläufe braucht um gänzlich erschlossen zu werden. Übrigens: Wer sich nach dem Genuss des vorzüglich gestalteten Booklets das Album trotzdem als gebrannte Raubkopie in den Schrank stellt, kann nur als Rüpel bezeichnet werden und verdient die Bezeichung Pearl Jam-Fan sicher nicht!

CD-Cover Merkinball

Merkinball (E.P.)
Pearl Jam

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Merkinball (E.P.)

von Rainer Aschemeier  •  1. Oktober 2003

1995 sah den Großteil von Pearl Jam als Backingband für das „Mirrorball“-Album der amerikanischen Rock- & Folk-Institution Neil Young. Von Pearl Jam plötzlich als „Godfather of Grunge“ hochverehrt, wollte man Neil Youngs Namen bei dieser Gelegenheit wohl auch in die Annalen der eigenen Bandgeschichte einfließen sehen. Ergebnis war die 2-Song-E.P. „Merkinball“, die das Prinzip von „Mirrorball“ kurz und ergreifend ins Gegenteil verkehrte: Hier waren Pearl Jam die Stars und Neil Young durfte ein bisschen schräg Gitarre zupfen. Die beiden Songs auf der E.P. gehören nicht unbedingt zu den Sternstunden der Bandgeschichte, sind jedoch alles andere als schlecht. Klarer Gewinner ist der zweite Song „Long Road“, der seither immer wieder gern von der Band als Opener für ihre legendären Livegigs genommen wird. Außerdem war dieser Track Bestandteil des Soundtracks zum Film „Dead Man Walking“, Pearl Jam’s erster Beitrag zu einer Filmmusik.

„I Got I.D.“, der E.P.-Opener, birgt einen kleinen Skandal. Der Song, der sich für amerikanische Verhältnisse verhältnismäßig offen mit Drogen beschäftigt, sollte ursprünglich „I got Shit“ heißen (wobei man ja weiß wofür das Wort „Shit“ im amerikanischen Großstadtslang-Sprachgebrauch vornehmlich verwendet wird). Die Bosse von „Epic“ hatten für diesen Vedder-Text nun überhaupt kein Verständnis und strichen kurzerhand den Songtitel auf die verstümmelte Version „I got I.D.“ zusammen.

Fazit: Kein Muss, aber wer die E.P. hat, kann trotzdem zufrieden sein, zumal es sich bei der Mini-LP mittlerweile um ein äußerst begehrtes Sammlerstück in Fankreisen handelt.

CD-Cover Code

No Code
Pearl Jam

No Code

von Rainer Aschemeier  •  1. Oktober 2003

Man hatte es geahnt: Pearl Jam würden nicht immer so kraftvolle Scheiben produzieren wie „Ten“ oder „Vs.“. Auch experimentell Innovatives á la „Vitalogy“ spielt sich eine Band nicht jeden Tag aus dem Ärmel. Krisenstimmung allenthalben, da wundert es nicht, dass sich Drummer Dave Abbruzzese nach einem neuen Job umsah und fortan durch Jack Irons ersetzt wurde.

„No Code“ war eine herbe Enttäuschung. Schon der Opener „Sometimes“ zeigt eine ausgebrannte Band, geradezu verzweifelt auf der Suche nach kreativen Ansatzpunkten. Oft scheint auf diesem Album ein Soundeffekt mehr zu zählen als ein Song, oft wirkt das Material von „No Code“ aufgesetzt, gekünstelt und einfach uninspiriert. Die weitgehend im Midtempobereich operierenden Songs scheinen meilenweit entfernt von Geniestreichen wie „Whipping“, „Glorified G.“ oder „Once“ entfernt zu sein. Highlights gibt es keine…

Putzig ist, dass „No Code“ quasi zeitgleich mit dem beginnenden Untergang der Grunge-Szene stattfand. Während sich jedoch Bands wie die Stone Temple Pilots konsequenterweise ganz auflösten und sich Alice In Chains ein ausgiebiges Bad im Drogensumpf gönnten, begnügten sich Pearl Jam, Soundgarden und die Smashing Pumpkins vorerst damit, einfach Mist abzuliefern. Das hielt aber das amerikanische Publikum nicht davon ab, auch das „No Code“-Album wieder auf Platz 1 der Billboard-Charts zu hieven.

Viele hielten Pearl Jam seinerzeit trotzdem für den nächsten Abschusskandidaten. Ich für meine Person war eigentlich erst nach „Yield“ so richtig besorgt, doch wie sagt Nina Ruge immer: „Alles wird Gut!“, und die scheint es irgendwie zu wissen… ;-)

CD-Cover Yield

Yield
Pearl Jam

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Yield

von Rainer Aschemeier  •  1. Oktober 2003

„Yield“ ist Pearl Jam’s Ausflug in die Rockgeschichte. So könnte man es positiv formulieren. Negativ formuliert könnte man auch sagen: Auf „Yield“ klauen die Buben aus Seattle einmal kreuz und quer alles was im kunterbunten Garten der Rockmusik so wächst. Hier ein Schnipsel The Who, da ein Quentchen Neil Young und gaaaaanz viel Led Zeppelin. Das geht sogar soweit, dass die Single des Albums „Given To Fly“ zu weiten Teilen nahezu notengetreu dem Led Zeppelin-Song „Going To California“ entlehnt wurde. Desweiteren vergriff man sich an John Bonhams (.) Drumsound und griff mit dem unbetitelten Instrumental „•“ John Bonhams großartige Idee eines „melodischen Drumsolos“ auf (das „Original“ kennt man als „Bonzo’s Montreux“ von Led Zeppelin’s posthum veröffentlichtem „Coda“-Album).

Neben dem ganzen Rumgeklaue gibt es einige hörenswerte Tracks, die einen besseren Eindruck vermitteln als noch kurz zuvor auf „No Code“. Für mich hat das „Yield“-Album den unangenehmen Beigeschmack des Uneigenständigen und „Unrechtmäßig Dauerentliehenen“ (drücken wir’s mal so aus). Nach dem Genuss von „Yield“ war mir eines klar: Die, die da Mucke machen brauchen eine kreative Inspiration. Etwas Neues! Zum Beispiel… einen neuen Drummer…!?

CD-Cover Binaural

Binaural
Pearl Jam

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Binaural

von Rainer Aschemeier  •  1. Oktober 2003

Ex-Soundgarden-Drummer Matt Cameron stieg in die Gruppe ein und Pearl Jam gingen mit alter Technologie ins neue Jahrtausend. „Binaural“, der Titel des 2000er Albums, wurde abgeleitet von der sog. binauralen Aufnahmetechnik, die insbesondere in den 1970er Jahren verwendet wurde. Bands wie Led Zeppelin und The Who produzierten ihre Alben in dieser frühen Technik der Stereo-Ära. Dabei wurde das Effektsignal von der Audiospur getrennt und auf dem benachbarten Kanal wiedergegeben. Während also z.B. die Gitarre auf der linken Box zu hören ist, ist auf der rechten Box der Halleffekt zu hören, der der Gitarrenspur zugeordnet ist. Diese Technik, die durch die weit fortschrittlichere Methode, das Audiosignal auf beide Kanäle anteilshalber so zu verteilen, dass ein „Rundum-Stereoeffekt“ erzielt werden konnte, abgelöst wurde, findet aber noch heute ihre Fans, zumal sie einen speziellen Charme des Unvollkommenen transportierte. Außerdem kann man die Instrumentalspuren bei einer guten Produktion in der binauralen Technik glasklar auseinander halten.

„Binaural“ ist zwar partiell in dieser alten Technik entstanden, klingt aber im Endeffekt soundmäßig nicht wesentlich anders als jedes andere Pearl Jam-Album, so dass man diesen produktionstechnischen Ausflug als einmaliges (?) Kuriosum verbuchen kann.

Musikalisch unterscheidet sich „Binaural“ relativ stark von seinen Vorgängern „No Code“ und „Yield“. Mit mehr Kraft und Selbstbewusstsein werden Songs wie „Breakerfall“, „Evacuation“, „Light Years“ und „Of The Girl“ dargeboten. Der musikalische Wechsel scheint zumindest teilweise durch Neuzugang Matt Cameron bedingt zu sein. Der Ex-Soundgarden-Schlagzeuger liefert auf „Binaural“ einen rundum begeisternden Einstand ab. Man hat den Eindruck, dass Cameron mit den (im Vergleich zu Soundgarden) transparenteren Pearl Jam-Arrangements einfach fantastisch harmoniert und hörbare eigene Akzente setzen kann.

Das Songmaterial erweist sich im besten Sinne als ausgereift und wird auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig. „Nothing As It Seems“, „Thin Air“ oder „Sleight Of Hand“ sind zwar keine Hymnen wie seinerzeit auf „Ten“, doch sie zeigen eine Band, die erwachsen geworden ist und es nicht mehr nötig hat (wie noch zuletzt auf „Yield“ geschehen), sich aus dem Fundus des Vergangenen zu bedienen. Man hat wieder einen eigenen Sound. Wie befreiend das auch auf Pearl Jam selbst gewirkt haben muss, merkt man „Binaural“ mit jeder Note an und genau das macht das Album zum Besten der Band seit dem 1994er Werk „Vitalogy“. Grunge ist tot, es lebe Pearl Jam!!!

CD-Cover Riot

Riot Act
Pearl Jam

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Riot Act

von Rainer Aschemeier  •  1. Oktober 2003

Nach dem künstlerischen Erfolg von „Binaural“ legten Pearl Jam im Spätjahr 2002 ihr Album „Riot Act“ vor. Das Cover der CD ist in dunklen Braunschattierungen gehalten und vermittelt einen eher düsteren Eindruck. „Riot Act“ selbst macht jedoch durchaus keine düstere Figur, sondern greift die lässige Stimmung des Vorgängers „Binaural“ bereits mit dem ungewöhnlich sphärischen Opener „Can’t Keep“ wieder auf. Überhaupt erinnert „Riot Act“ ein ums andere mal an den famosen Vorgänger, was sich sogar bis hin zu der (zumindest von der Form her) identischen Aufmachung des Digipaks zieht.

„Riot Act“ kann mit der bisher besten Produktion unter allen Pearl Jam-Alben aufwarten. Auch diesmal lag der Sound in den bewährten Händen von Brendan O’Brian, welcher nunmehr jedoch „nur“ als Mixer, nicht als Produzent in Erscheinung tritt. Die Band macht einen spielfreudigen, vitalen Eindruck, wenn auch Eddie Vedder bei den langsameren Songs des Albums in übertriebenem Maße zum Nuscheln neigt. Die übliche Bandbesetzung wird auf „Riot Act“ durch dezent aber klug eingesetzte Hammondorgel-Parts ergänzt. Dies macht sich insbesondere bei „Love Boat Captain“ und „Thumbing My Way“ bemerkbar, die zu den besten Songs des Albums gezählt werden müssen.

„Riot Act“ hinterlässt alles in allem einen hervorragenden Eindruck. Es gehört klar zu den besten Pearl Jam-Alben und hat im Vergleich zu „Binaural“ auch wieder mehr innovative Momente (so z.B. bei „You Are“ und „Arc“). Das Songmaterial erscheint mit üppigen 15 Tracks jedoch etwas zu viel des Guten, zumal nicht alle 15 Songs das hohe Qualitätsniveau der eingangs genannten halten können. Ein experimenteller Polit-Song á la „Bu$hleaguer“ ist zwar inhaltlich recht putzig, doch was nützt das wenn die musikalische Seite zu wünschen übrig lässt?

Die gewählte Single „I Am Mine“ kann im Übrigen nur als der neuerliche Versuch betrachtet werden, mehrere mögliche Hitsingles durch die Wahl des potentiell uninspiriertesten Songs gezielt zu umgehen. Als Fazit könnte man also sagen: Außer den wenigen angesprochenen Schwachstellen das vermutlich konsistenteste Album der Band, das eine zusammengewachsene Einheit zeigt und Pearl Jam als die letzte überlebende Macht des Grunge definiert.

Pearl Jam
Pearl Jam

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Pearl Jam

von Rainer Aschemeier  •  25. September 2003

Vier Jahre gingen ins Land, seit dem hervorragenden „Riot Act“-Album. Wirkte das letzte Werk vom optischen Eindruck her eher düster, so überrascht das neue Werk vor allem durch zwei äußere Merkmale: 1.: Der Titel des Albums ist schlicht „Pearl Jam“ betitelt. 2.: Das Cover zeigt eine halbierte Avocado (!). Spielen Pearl Jam damit etwa auf das Denkvermögen von George W. Bush an? Könnte immerhin sein, denn schon beim Aufklappen des Digipaks enthüllt sich die schreckliche Wahrheit: Die Band als „Pile of Skulls“, also als enthaupteter Schädelhaufen. Reichlich Kunstblut und Schmodder komplettieren das splattermäßige „Bandfoto“, das zusätzlich noch durch eine – ebenfalls nicht eben gemütliche – Fotomontage eines sich puzzlemäßig auflösenden Kopfes (Vedder?) eingerahmt wird.

Die Musik geht so geradlinig und kompromisslos nach vorne los, wie seit mindestens „Vitalogy“ nicht mehr. Insbesondere die höchst gelungene Single-Auskopplung „World Wide Suicide“ könnte auch problemlos in der Playlist von „Vs.“ oder gar dem famosen Debüt „Ten“ stehen. Und so geht es dann erst einmal weiter. Hätte die gute alte Schallplatte noch Konjunktur, würde man vermutlich eine „wütende A-Seite“ attestieren. Wütend sind im Übrigen auch die Texte. Im mit platzenden Schädeln und krabbelnden Kakerlaken passend dekorierten Booklet wird festgestellt, das das Leben ein Vakuum sei und man selbst nicht mehr als ein Objekt. Das Individuum funktioniere am besten als Kanonenfutter im weltweiten Selbstmord. Und wenn man schon eins in die Zähne kriegt, dann aber richtig und gleich noch ein paar Mal nachgelangt. Harter Tobak – insbesondere für eine US-amerikanische Band, die dazu noch absolut massenkompatible Verkaufszahlen aufweist.

Musikalisch ist nicht nur die Aggression alter Tage wieder da, sondern es konnte auch das Qualitätsniveau der letzten Veröffentlichungen „Binaural“ und „Riot Act“ weitgehend gehalten werden. Songs wie „Marker in the Sand“ („Four Sticks“-Reminiszenz in der Strophe trifft auf John Denver-mäßige Melodie im Refrain), „World Wide Suicide“ (Finde keine Worte, hart, wütend, Knüller!), „Big Wave“ (hier merkt man einmal mehr den allgegenwärtigen Led Zeppelin-Einfluss) oder „Inside Job“ (resignative Ballade mit einem Anfang á la „Welcome to the Machine“) stellen klar: Hier ist ein Album am Start, das vor guten Songs nur so wimmelt. Prädikat: Unbedingt empfehlenswert!

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