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The Listener

Blog für klassische Musik und mehr! ...seit 2003

The Complete Sun Masters
Johnny Cash

(2008)
Charly

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Johnny Cash - The Complete Sun Masters

Für Jäger und Sammler

von Rainer Aschemeier  •  16. Januar 2009

Auf die Gefahr hin im Jagdrevier eines gewissen Country-affinen Kollegen zu wildern, begebe ich mich heute auf für Country-Fans heiliges Terrain, und bringe mit „The Complete Sun Masters“ noch eine Review als Nachtrag zu den letztjährigen Herbstveröffentlichungen.

Nun sollte man denken, dass mit dem vielen Best-Ofs, Rarities und Box-Sets der letzten Jahre das Thema „Sun Records“ im Leben Johny Cashs bereits mehr als gehaltvoll ausgeleuchtet gewesen sei. Aber man wird ja doch immer wieder eines Besseren belehrt. Bei „The Complete Sun Masters“ ist der Name Programm. Die engagierten Macher der optisch leider weniger engagiert gestalteten Box haben sich in die tiefsten Tiefen der Archive begeben und haben auf 3 CDs echt alles, alles und nochmals alles zusammengetragen, was Johnny Cash jemals auf Sam Phillips‘ „Sun“-Label veröffentlicht hat. Und ja, tatsächlich gab es immer noch den einen oder anderen bisher unveröffentlichten Schnipsel zu finden.

Von den alten Hits wie „Folsom Prison Blues“, „I Walk the Line“, „Big River“, „Ballad of a Teenage Queen“, usw. über die restlichen Tracks der ersten beiden Cash-Alben, die vielen Outtakes, Alternativversionen und Single-B-Seiten bis hin zu – objektiv betrachtet – oft absolut unhörbaren, weil völlig verzerrten Demoaufnahmen und während der Aufnahme abgebrochenen „Fragmenten“ eröffnet sich ein Füllhorn von Cash-Songs, bei dem man sich jedoch unter vielen faulen Früchten das saftige Obst selbst herauspicken muss. Denn einmal abgesehen von der Frage, wer drei Versionen von „Cry, Cry, Cry“ und vier Versionen von „I Walk The Line“ wirklich braucht, ist man auch immer einmal wieder überrascht, wenn ein „Song“ nach 45 Sek. abrupt endet oder meist gegen Ende der jeweiligen CDs Demo-Versionen aus den Boxen kratzen, die sich anhören, als wären sie auf Stacheldraht aufgezeichnet worden. Andererseits eröffnet das dem eingefleischten Cash-ianer womöglich ungeahnt intime Einblicke in die Arbeitsweise des großen Country-Stars. Denn es ist ja in der Tat interessant, dass Cash und die Tennessee Two im Studio offenbar gern mal einfach 40, 50 sekunden als „Notizzettel“ aufgenommen haben. Und auch so manches noch nicht ausgereifte Demo zeigt einen neuen Blick auf diesen oder jenen Song. Jedenfalls ist es absolut erstanlich, welche unsagbare Menge an Material da in nur vier Jahren zusammengekommen ist: Insgesamt befinden sich auf den drei CDs der Box nicht weniger als 100 Tracks!

Trotzdem: Für den Cash-Gelegenheitsfan lohnt sich vielleicht eher eine der vielen Sun-Compilations nach dem „Best Of“-Prinzip. Der „Complete“-Ansatz ist wohl mehr etwas für Cash-Archäologen. Und eben diese werden sich fragen: „Ist das Booklet gut?“ Denn was nützen 100 Archäologen-Tracks, wenn man damit allein gelassen wird. Hier kann man für Beruhigung sorgen. Zwar ist das 34-seitige Booklet nicht gerade „schön“ im ästhetischen Sinne, aber es ist mit einer langen Biografie zu Cashs „Sun“-Zeit sowie Liner Notes, Aufnahmedaten und Chartplatzierungen zu jedem einzelnen Song sehr informativ und versprüht gelegentlich statistisch-wissenschaftlichen Charme. Respekt, da hat sich jemand eine Menge Arbeit gemacht.

Fazit: Ausgräber und Schatzsucher zugreifen!

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