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The Listener

Blog für klassische Musik und mehr! ...seit 2003

A. Dvořák - Klaviertrios Vol. 1
Tempest Trio

(2014)
Naxos

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Antonín Dvořák - Klaviertrios Vol. 1

Beginn einer vielversprechenden Gesamtaufnahme

von Rainer Aschemeier  •  14. Mai 2014
Katalog-Nr.: 8.573279 / EAN: 747313327973

Dvořáks Klaviertrios zählen zum besten, was die Gattung zu bieten hat. Wie kaum ein anderer nach Beethoven (die üblichen Verdächtigen Brahms und Schumann einmal ausgenommen) hat sich Antonín Dvořák um das Klaviertrio als Genremodell verdient gemacht und vollendete Meisterwerke geschrieben.

Speziell das sogenannte „Dumky“-Trio war bis in die 1980er-Jahre hinein eine Art Gelddruckmaschine für Plattenlabels in aller Welt. Leider ist die Krise der Tonträgerindustrie im Bereich der Klassik auch eine Krise der Kammermusik. Und so gilt Dvořáks Klaviertrio Nr. 4 längst nicht mehr als lupenreiner Verkaufsgarant, zumal auch viele viele hervorragende Einspielungen des Stücks am Markt verfügbar sind, zum Teil mit den größten Namen, die die Welt der Klassik überhaupt zu bieten hat.

Die bisherige Einspielung des „Dumky“-Trios im Naxos-Programm vom Joachim Trio stammte aus dem Jahr 1996 und war buchstäblich etwas „in die Jahre“ gekommen. Nun entschloss man sich bei Naxos also dazu, das gesamte Klaviertrio-Schaffen Dvořáks neu einspielen zu lassen. Das kann man schon mit zwei CDs bewerkstelligen.
Ein geeignetes Ensemble zu finden, ist da allerdings ungleich schwieriger.

Naxos hat mit dem Tempest Trio eine gute Wahl getroffen. Es besteht aus den mehr oder weniger prominenten Solisten Ilya Kaler (Violine), Alon Goldstein (Klavier) und Amit Peled (Cello). Aus ihrer Besetzung sticht dabei vor allem Ilya Kaler hervor, der nicht nur zu den erfolgreichsten Künstlern des Naxos-Labels gehört (er nimmt schon seit Anfang der 1990er-Jahre für das Label auf), sondern vor allem auch zu den besten Violinsolisten weltweit.

Der Vergleich mit dem „Million Dollar Trio“ aus Jascha Heifetz, Gregor Piatigorsky und Arthur Rubinstein, der in der Biografie des Trios im Booklet abgedruckt ist, mag zwar mal irgendwo in der Presse gestanden haben, wirkt jedoch ein bisschen arg tief in die Trickkiste gegriffen. Nichtsdestotrotz haben wir es hier mit sehr schönen Interpretationen zu tun, die dynamisch sehr überzeugen, eine durchweg gelungene Phrasierung aufweisen und wirklich seelenvoll musiziert sind.
So lässt man sich seinen Dvořák gern gefallen, und diese erste CD lässt großen Appetit aufkommen nach dem hoffentlich in Bälde folgenden zweiten Teil der Edition. Übrigens ist das Highlight auf dieser ersten CD nicht unbedingt das berühmte „Dumky“-Trio, sondern das vom Tempest Trio in bestechender rhythmischer Finesse und großer, strahlender Schönheit dargebotene dritte Klaviertrio Dvořáks.

Alles in allem ist diese erste CD der sehr gute Auftakt zu einer neuen Gesamteinspielung, deren zweiten Teil ich mit Spannung erwarte. Vor einiger Zeit hatten wir hier übrigens eine Gesamtaufnahme der Dvořák-Trios mit dem Gould Piano Trio. Jene Aufnahme aus Großbritannien war schon sehr gut, aber das Tempest Trio ist noch einmal eine Stufe besser, als es die Goulds waren. Vor allem das innige und enge Zusammenspiel der Tempest Trio-Musiker nötigt einem doch den höchsten Respekt ab.

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