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The Listener

Blog für klassische Musik und mehr! ...seit 2003

F. Chopin - Klaviersonaten 2 & 3, Scherzo, Nocturnes
Sergei Edelmann

(2010)
Triton / challenge

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Frédéric Chopin - Klaviersonaten Nr. 2 & 3, Scherzo Nr. 2, Nocturnes Nr. 13 & 14 — Sergei Edelmann

Die ideale Chopin-CD!

von Rainer Aschemeier  •  5. April 2012
Katalog-Nr.: OVCT-00074 / EAN: 4526977930745

Sergei Edelmann ist ein Pianist, der – zumindest auf Tonträger – ein sehr klares Profil an den Tag legt. Eine Bach-Aufnahme, wie wir sie kürzlich an dieser Stelle begeistert besprochen hatten ist bei ihm eher die Ausnahme, denn Edelmann ist eher der Mann für’s romantische Repertoire.
Mit den Bamberger Symphonikern hatte er in den 1990er-Jahren (auch klanglich) fantastische Aufnahmen der Klavierkonzerte Felix Mendelssohn Bartholdys vorgelegt, und für Frédéric Chopin gilt der gebürtige Ukrainer als einer der Spezialisten.

Früher gab es begnadete Chopin-Granden, wie Claudio Arrau oder Nikita Magaloff. Ihre Aufnahmen, die schlicht so perfekt waren, das man sie bis heute als Referenz für dieses Repertoire erachtet, werden immer wieder neu aufgelegt und verkauft, sodass es womöglich auch daran liegen mag, dass heutzutage nur noch wenige Pianisten als Chopin-Spezialisten gelten. Neben der äußerst vielversprechenden Olga Scheps, die gleich mit ihrem Debüt-Album „Chopin“ aus dem Jahr 2010 alle Chopin-Begeisterten berechtigtermaßen zum Schwärmen brachte, ist eben auch Sergei Edelmann so einer, der Chopin spielt, wie kein Zweiter.

Ja, er ist sogar so sehr durch und durch Chopin-Spieler, dass bei ihm auch immer etwas die Gefahr besteht, dass er seinen Chopin-Sound auf andere Darbietungsbereiche „exportiert“. So hatten wir ja auch in der Besprechung der letztjährigen, wahrhaft wundervollen Liszt-Neuaufnahme Edelmanns auch noch einen leicht „chopinisierten“ Schubert entdeckt.

Nun also erscheint endlich auch in Deutschland die sehr interessante Doppel-SACD Sergei Edelmanns, auf der dieser einige Hauptwerke des populären Polen vorstellt, so etwa die Klaviersonaten Nr. 2 & 3 sowie das Scherzo Op. 31 und die Nocturnes Nr. 13 & 14.
Die Rezension könnte nun mit einem Satz enden: Schöner kann ich mir Chopin schlicht nicht vorstellen! Punkt!

Aber unsere Leser haben sicher ein Interesse daran, warum ich so empfinde. Mir gefällt besonders, dass Edelmann Chopin wirklich ernstnimmt. Bei ihm ist Chopin weder der virtuose Zurschausteller tastenlöwenhafter Sonatenfratzen noch ist er der verträumte Salonmusiker. In Edelmanns Lesart ist Chopin gleichermaßen – und in meinen Ohren auf eine spektakuläre Art und Weise, geradezu als „Aha-Erlebnis“ – wie so viele Komponisten seiner Zeit in den Fußstapfen Beethovens unterwegs und ein Neuerer der Klaviermusik seiner Zeit.
Dieses Spannungsfeld zwischen kernigem und nüchternem „beethovenesquen“ Anschlag und dem eigenartigen, flüchtigen und doch prägnanten Gehalt von Chopins typischer Melodiensprache bringt Edelmann so hinreißend zur Aufführung, dass man es kaum genug loben kann.
Auch diese Sergei-Edelmann-SACD ist also wieder vom Allerfeinsten. Niemand, der Chopin wirklich liebt und schätzt, sollte sich diese großartige Aufnahme durch die Lappen gehen lassen. Auch wenn diese Doppel-SACD auf dem deutschen Markt nicht gerade günstig angeboten wird, ist sie doch jeden Cent wert – und das nicht nur auf der Basis der Interpretationsqualität.

Triton, der japanische Klaviermusik-Ableger des renommierten Exton-Labels, achtet bei seinen Aufnahmen stets auch auf einen Spitzensound. So auch hier: Wie wunderbar natürlich, kraftvoll und raumpräsent ein Klavier klingen kann, führt derzeit wohl kein anderes Label so eindrucksvoll vor Ohren wie Triton. Bislang habe ich noch bei jeder SACD dieser Firma den Mund nicht mehr zugekriegt, weil der Klaviersound schlicht so wunderbar naturgetreu und im vollen Frequenzspektrum eingefangen worden war.
Und Chopins Musik dankt es den Toningenieuren. Reizt sie doch das Klavier als Ausdrucksmittel voll aus: Vom tiefsten, brachialsten Basskeller bis hoch hinauf in ätherische Höhen.

Fazit: Sergei Edelmann ist in meinen Augen ein idealer Chopin-Interpret, und diese SACD bildet in beiden Formaten (CD und SACD) die ideale Klanglichkeit für sein grandioses Spiel. Alles andere als die Höchstwertung, wäre hier unangebracht.

((Das Hörexemplar der SACD für diese Besprechung wurde uns freundlicherweise vom Vertrieb des Labels, der Firma challenge classics, zur Verfügung gestellt.))

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